Gut beraten für guten Schlaf

Der Schlafexperte und Präventologe Markus Kamps weiß genau, was alles zu einer erholsamen Nachtruhe beiträgt. Welchen Einfluss Schlafzimmerathmosphäre, Schlafhygiene, aber auch Kissen und Zudecken haben, erläutert er im Interview – nützliche Fakten für Ihr Beratungsgespräch.

Herr Kamps, was ist die optimale Schlafumgebung?

Markus Kamps: Das Schlafzimmer sollte ein Refugium der Erholung sein – ohne Störfaktoren.
Was verstehen Sie unter Störfaktoren?
Kamps: Das Schlafzimmer ist viel zu oft entweder Rumpelkammer, Bügelzimmer oder Technikoase, in der irgendwo noch das Bett Platz findet.
Also raus mit allem Überflüssigem?
Kamps: Genau. Immer wenn das Bett zu sehr mit anderen Dingen in Verbindung gebracht wird, wie etwa Arbeiten, Computerspielen oder „Ich müsste mal wieder Ordnung machen“, führt das auf Dauer zu Schlafstörungen. Die Gedankenkopplung sollte vielmehr sein: Bett ist gleich Nachtruhe.
Was aber, wenn ich aus Platzgründen den Raum multifunktional nutzen muss?
Kamps: Dann sollte ich mir wenigstens eine Art Restkoje oder Restnest schaffen.
Wie mache ich das?
Kamps: Sie können beispielsweise tagsüber ihr Bett mit anderen Kissen und anderen Decken dekorieren als nachts. Wenn Sie die am Abend gegen Ihr Bettzeug austauschen, entwickelt sich daraus eine Art Ritual – und die Gedankenkopplung heißt: Bettzeug ist gleich Schlafen.
Gibt es noch weitere Faktoren, die die Schlafhygiene beeinflussen?
Kamps: Ja, der Raum sollte in ruhigen Farben gehalten sein, abgedunkelt sein. Er sollte möglichst frei von Elektrosmog sein. Und man sollte auf unnötige Lichteffekte verzichten.
Kommen wir zu den Betten. Was ist besser: der gute alte Lattenrost, das nachgiebige Wasserbett oder das hochgetürmte Boxspringbett?
Kamps: Das ist eine individuelle Entscheidung. Jedes der drei Betten hat seine Vorzüge. Wichtig ist beim Bettenkauf die gute Beratung.
Warum?
Kamps: Weil ein guter Verkäufer erst einmal fragt, wo und wie ich bisher geschlafen habe. Zudem kennt er sich in Sachen Ergonomie aus. Erst wenn alle seine Fragen beantwortet sind, geht es an die Auswahl.
Gilt das auch für Matratzen?
Kamps: Unbedingt. Je viereckiger ich bin, je weniger Rückenbeschwerden ich habe, umso geeigneter bin ich für unterschiedliche Matratzentypen. Je konturierter ich bin, je wichtiger wird die individuelle Beratung. Sie berücksichtigt Körperlänge, Körperbau, Schlaflage, welcher Haltungstyp ich bin und mehr. Dafür gibt es inzwischen 13 unterschiedliche Messverfahren – oder der Verkäufer hat den erfahrenen, kontrollierenden Blick.
Über Kissen und Zudecken wird aber kaum gesprochen. Warum?
Kamps: Eine gute Frage. Wahrscheinlich haben Sie auch fünf Kissen zu Hause und keines passt. Denn das richtige Kissen zu finden, ist gar nicht so einfach. Das Kissen soll auf die Bettausstattung abgestimmt sein, nicht zu stark stützen, weil es sonst zu noch mehr Verspannungen kommt. Das Kissen muss so auf Ihre Schlafgewohnheiten abgestimmt sein, dass die Wirbelsäule in allen Schlafpositionen möglichst stark entlastet wird.
Können Sie das spezifizieren?
Kamps: Gerne. Je weicher die Matratze, desto niedriger sollte das Kissen sein. Je härter die Matratze, desto höher das Kissen. Rückenschläfer brauchen eher flache Kissen, Seitenschläfer eher mittlere bis hohe. Weitere Kriterien sind Nackenlänge, Nackentiefe und Schulterbreite. Sie glauben nicht, wie viele Lendenwirbelsäulenprobleme ihren eigentlichen Auslöser im falschen Kissen und nicht im Bürostuhl haben.
Wie groß sollte das Kissen sein?
Kamps: Das gängig Maß 80 x 80 cm ist tabu. Es ist eigentlich überflüssig geworden. Man hat es früher zur höheren Lagerung von Patienten verwendet. Ein 40 x 80-Kissen entspricht unseren Bedürfnissen viel mehr. Ideal sind HWSoder Variantenkissen. Letztere lassen sich den eigenen Bedürfnissen anpassen.
Wie lange hält ein Kopfkissen?
Kamps: Man sollte es nach drei Jahren prüfen und nach fünf Jahren spätestens ersetzen.
Was muss ich bei der Zudeckebeachten ?
Kamps: Auch hier spielen unterschiedliche Komponenten eine Rolle: Art und Härtegrad der Matratze, Körpergröße, Wärmetyp (Hitzer, Schwitzer, Frierer), Alter, Krankheiten, Allergien, Raumtemperatur und Feuchtigkeit, Hygieneansprüche, Gewicht der Zudecke und noch einiges mehr. Ein guter Fachberater ist also auch hier von Vorteil.
Herr Kamps, vielen Dank für das Interview. (ems/Quelle: GHM)