Zeit für ein neues Bad

Wann wird ein Bad saniert? Oft gehen die Baumaßnahmen mit dem Wunsch einer barrierefreien Nutzung im Alter oder eben nach einem Unfall bzw. einer Krankheit einher, die einen Umbau erfordern. Erfreulicher ist der Fall, wenn das Bad einfach modernisiert wird. Grundsätzlich sollte es einfach zur aktuellen Lebensphase passen.

von Elena Deeg

Ist der Entschluss erst einmal gefasst, sich den Umbaumaßnahmen zu stellen, geht es im nächsten Schritt um die Ausführung. Nach den anfänglichen Besuchen in Badezimmerausstellungen steht das Gespräch mit dem Fachmann an. Die einzelnen Vorgänge bis zum neuen Badezimmer erläutert uns Stefan Kornmeier, Inhaber eines Innenausbau- und Konstruktionsbüros in Zell am Harmersbach. Gemeinsam mit seinem Team stellt er sich etwa zehnmal jährlich den Herausforderungen einer Sanierung.

Bei der Terminpräsentation werden die Anforderungen durchgesprochen

Um eine klare Vorstellung von den Bedürfnissen zu bekommen, sollten grundsätzliche Fragen anhand einer Checkliste abgearbeitet werden: ob ein Waschtisch oder zwei? Soll ein Bidet oder Urinal eingebaut werden? Besteht der Wunsch nach Dusche und Badewanne oder kann auf die Badewanne verzichtet werden? Soll das WC direkt ins Bad, wenn ja als Tiefspüler oder Flachspüler-WC? Ist eine Waschmaschine vorgesehen? Wer ist der Größte und wer der Kleinste im Bad? Gibt es körperliche Einschränkungen, die es zu beachten gilt? Wie hoch ist das Budget? Eine wichtige Frage: Was hat Sie an Ihrem alten Bad am meisten gestört? Dabei sind Antworten wie hässliche Fliesen, zu wenig Platz oder man bekommt keine Ordnung ins Bad häufig. Wenn beispielsweise die Badewanne als Kleiderschrank bzw. Ablagefläche genutzt wird, achtet man beim Entwurf darauf, eine kleine Garderobe vorzusehen, die beim Umziehen genutzt werden kann.

Die Handskizze dient als wichtiges Werkzeug, um den Kunden zu überzeugen

Nachdem die wesentlichen Vorstellungen klar formuliert sind, folgt das Aufmaß vom Badbestand. Die Raumabmessungen und die Lage der installationsrelevanten Elemente wie Wasser, Abwasser und Strom werden aufgenommen. Um dem Kunden eine erste Idee virtuell zu präsentieren, hält Stefan Kornmeier die perspektivische Skizze für äußerst sinnvoll. Am Tisch wird durch wenige Striche ein Raumeindruck vermittelt und der Kunde kann sich sofort etwas darunter vorstellen. Dafür besuchte Kornmeier in diesem Frühjahr mit seinem Team extra einen Zwei-Tage-Intensivkurs für Zeichentechniken an der Akademie Ruhr und war begeistert. „Die Herangehensweise von Herrn Modzelewski, dem Leiter der Akademie, hat mir gut gefallen, etwa die Wahl von Fineliner oder Kuli statt Bleistift.“

So konnte er das erlangte Wissen direkt beim Kunden anwenden, und das mit großem Erfolg. Der Prozess von Verkauf und Auftragsabwicklung wird deutlichbeschleunigt. Für Kornmeier ist die Zeitersparnis ein wichtiges Argument: „Statt im Büro zu sitzen und aufwendige CAD-Zeichnungen zu erstellen, merke ich bei der Skizze sofort, ob wir auf der gleichen Wellenlänge sind.“ Und genau darum geht es ja in diesem Moment.

Detaillösungen werden durch CAD- Zeichnungen geprüft und veranschaulicht

Zur Lösungspräsentation, dem Folgetermin, erstellt Stefan Kornmeier ein erstes Rendering und macht einen Kostenvoranschlag. Die CAD-Zeichnung zeigt eine ausgearbeitete Ansicht, wie das Badezimmer zukünftig aussehen könnte – mit Spielraum für mögliche Änderungen. Die Vorschau lässt ein Look & Feel erkennen und hilft bei der Auswahl der Materialien.

Materialkonzepte gemeinsam mit dem Kunden erarbeiten

Damit der Kunde einschätzen kann, was finanziell auf ihn zukommt, wird festgelegt, welche Produkte und Materialien verarbeitet werden. Und dazu erfolgt die Bemusterung im Fachgeschäft. Dabei wird das zuvor im Rendering erarbeitete Konstrukt um passende Artikel erweitert. Gemeinsam geht man auf die Suche nach Fliesen und wählt gezielt zwischen verschiedenen Möglichkeiten im angedachten Preissegment aus. Auch die Sanitärausstellung wird zusammen besucht und die Wahl der Keramiken und Armaturen erfolgt direkt vor Ort. Mit dieser Auswahl wird dann ein finales Angebot erstellt. „Wir führen den Kunden gezielt durch die Ausstellungen. Durch die Budgetvorstellung und die Raumsituation legen wir eine Vorauswahl fest, was überhaupt infrage kommt. Bei einer solchen Angebotsvielfalt ist es wichtig, den Kunden in dieser Situation nicht alleine zu lassen, sondern zu führen,“ so Kornmeier.

Eine Badsanierung ist Teamarbeit

Es bedarf einer ganzen Reihe an Handwerksberufen, um eine Badsanierung zu realisieren. Involviert dabei sind meist Elektriker, Fensterbauer, Heizungsbauer, Sanitärinstallateur, Fliesenleger, Schreiner und der Maler. Natürlich kommt es immer auf die jeweiligen Anforderungen der einzelnen Baustelle an. Stefan Kornmeier setzt dabei auf eine eingespielte Truppe, sowohl im eigenen Team wie auch bei der Auswahl der Handwerksbetriebe. Diese sollten genau wie der Kunde nicht weiter als 40 km entfernt sein, denn sonst wird der Betreuungsaufwand für das Umbauprojekt zu hoch.

Nach der Planungsphase erfolgt der eigentliche Umbau

Sämtliche Arbeitsschritte werden einzeln geplant und je nach Aufwand aufgelistet. Selbst für eine reguläre Sanierung, etwa die Modernisierung eines Siebziger-/Achtzigerjahre-Bades sollte mit Kosten von rund 25000 bis 35000 Euro kalkuliert werden. Die reguläre Vorlaufzeit vor dem Umbau beträgt etwa sechs bis acht Wochen für Bestellungen und Lieferzeit, die reine Durchführung durchschnittlich zwischen drei und vier.

Nun kann es endlich losgehen: „Den Ablauf während der Bauphase klären wir mit einem detaillierten Bauzeitplan. An den ersten drei bis vier Tagen finden die Rohinstallationen, Sanitär- und Elektroarbeiten statt, da ist unser Projektleiter mindestens einmal am Tag vor Ort und schaut, ob alles nach Plan läuft. Bevor sich der Fliesenleger ans Werk macht und die Installationsschlitze wieder komplett verschließt, werden die Leitungen mit der Digitalkamera für später dokumentiert. Anschließend wird der Estrich verlegt und Dusche- und Wannenbereich abgedichtet. Hierzu sollte ausreichend Trocknungszeit in den Zeitplan einkalkuliert werden. Nach Fliesenverlegung folgt meistens die Möbelmontage durch den Schreiner. Am Schluss werden nochmals alle Arbeiten überprüft: Sind die Silikonfugen sauber ausgeführt? Funktionieren die Beschläge? Ist alles richtig montiert und funktionsfähig? Wurden Schubladen und Türen ordentlich eingestellt?“. Es wird festgehalten, welches Material verbaut wurde, Boden und Wandaufbau, oder ob noch ein Restbestand an Fliesen eingelagert wurde. „Das erspart viel Detektivarbeit für später“, sagt Kornmeier mit einem Schmunzeln.

Erst, wenn das alles getan ist, wird das Badezimmer abgenommen und für den Kunden freigegeben. Im Anschluss erfolgt das Abschlussgespräch. An diesem Feedback zeigt sich die Zufriedenheit mit den einzelnen Leistungen, von der Planung bis hin zur Ausführung mit den einzelnen Handwerkern.


Welche Möglichkeiten entstehen für Tischler und Schreiner bei einer Badsanierung?

Das durchschnittliche Badezimmer hat eine Fläche von rund acht Quadratmetern. Platz ist demnach ein kostbares Gut und um den sinnvoll auszunutzen, stehen individuelle Holzmöbel im Bad hoch im Kurs. Jede Ecke, jede Schräge und jeder noch so kleine Winkel kann sinnvoll genutzt werden. Daher gehören maßangefertigte Schränke, Holzregale oder -decken zu den meistgefragten Produkten. Durch Design und Holzart setzen sie maßgebliche Akzente im Bad und dürfen als gestalterische Herausforderung mit großer Wirkungskraft verstanden werden. Da viele Handwerksberufe bei der Badsanierung zusammentreffen, ist die Abstimmung mit den Kollegen ein wichtiger Faktor.