Basiswissen um beraten zu können

Wissenswertes zum Schlaf

„Schlafen“ ist der Megatrend. Ein Ikea-Werbespot wirbt für die „Work-Life-Sleep-Balance“ und setzt damit eine riesige Welle in Bewegung. Das frische und vor allem selbstbewusste Image der Schlafbranche verspricht einen Markt mit sehr viel Potenzial für die Zukunft – ganz besonders im Handel. Ein guter Zeitpunkt also, um Handelsware aus diesem Bereich mit aufzunehmen. Doch worauf ist bei einer fachlichen Beratung eigentlich zu achten?

von Elena Schauwecker

Wer als Schreiner und Tischler Handelsware aus diesem Segment anbieten will, der sollte auf mögliche Kundenfragen vorbereitet sein. Grundsätzliches Basiswissen ist Voraussetzung, um überhaupt beraten zu können. Deshalb haben wir einige Fakten für Sie zusammengestellt, mit denen Sie beim Kunden punkten können.

Die vier Säulen des Schlafens

  1. Ergonomie: Das Bettsystem sollte zum Körper passen und ist abhängig von Größe, Gewicht und Körperbau.
  2. Mikroklima: Bei Bettwaren (Topper, Bettdecke, Matratzenbezug oder Bettwäsche) auf natürliche bzw. atmungsaktive Materialien achten. Denn Wärme und Temperatur wirken sich erheblich auf die Schlafqualität aus.
  3. Chemische Belastung: Materialien können Schadstoffe emittieren, also in die Umgebung abgeben. Belastungen (ausgehend vom Schlafraum oder von den Schlafprodukten), die unter einem Grenzwert und damit für den Markt zugelassen sind, haben trotzdem einen negativen Einfluss. Bei Kaltschäumen etwa gibt es große Unterschiede in Bezug auf luftverflüchtigende Stoffe.
  4. Physikalische Belastung: Lackierte Oberflächen können Strahlungen verstärken. Dabei geht es hauptsächlich um elektromagnetische Frequenzen (EMF) oder Strahlungen, die von DECT-Telefonen hervorgerufen werden.

Ganzheitlicher Ansatz

Schlaf ist mitunter der komplexeste Vorgang im Körper. Die Gesundheit des Menschen und damit auch die Qualität des Schlafes hängt von mehreren Komponenten ab, nämlich von Ernährung, Bewegung, Denkweise und dem Schlaf selbst. Es kann viele Ursachen haben, wenn man wach im Bett liegt und nicht einschlafen kann. Generell gilt, wer nicht gut schläft, sollte sich alle vier Bereiche einmal genauer anschauen. Dabei können folgende Fragen helfen: Wann habe ich was gegessen? Habe ich mich heute ausreichend bewegt? Welche Gedanken lassen mich nicht zur Ruhe kommen? Liege ich bequem und passt mein Untergrund, auch das Kopfkissen, zu meinem Körper und meiner Schlafposition? Die Ernährung kann sehr viele Entzündungsprozesse im Körper auslösen und nimmt dadurch sogar Einfluss auf die Schlafdauer. Das heißt im Umkehrschluss, ernähre ich mich nicht gut, braucht der Körper mehr Zeit, um zu regenerieren, ernähre ich mich hingegen gesund und ausgewogen, kommt der Körper auch mit weniger Schlaf aus. Man kann sich also dahingehend optimieren.

Ebenso verhält es sich mit der Bewegung. Im Extremsport weiß man, wenn der Körper tagsüber durch Training gefordert wird, braucht er auch mehr Schlaf. Spitzensportler wie Usain Bolt oder Roger Federer schlafen zehn bis zwölf Stunden, wenn sie im Trainingsrhythmus sind. Bewege ich mich indessen tagsüber zu wenig, kann sich das negativ auf den Schlaf auswirken, da der Körper in geringem Maße gefordert und deshalb nicht ausreichend ermüdet wurde. Dabei spielt auch geistige Ermüdung eine Rolle: Manager, die im Berufsalltag stark gefordert sind, viel Verantwortung tragen und wichtige Entscheidungen treffen müssen, brauchen einen Ausgleich in Form von REM-Schlaf, die REM-Phasen sind eher im letzten Drittel der Nacht verankert – heißt also, wenn sie nicht lange genug schlafen, fehlen diese Phasen und die Regeneration kann somit nicht ausreichend stattfinden.

In der Ruhe meldet sich meist auch die innere Stimme. Ist die geistige Haltung sorgenfrei, kann man gut einschlafen. Wenn nicht, beginnt das Gedanken-karussell nachts zu kreisen. Wenn man müde ist, hat man mehr Melatonin im Körper und ist dementsprechend auch anfälliger für depressive Gedanken. Die Probleme nachts haben zudem die Eigenschaft, dass sie sich nicht logisch klären lassen, meistens wird einfach nur die Problematik wiederholt. Die innere Stimme gibt keine Ruhe, sondern kommt gleich wieder und das führt dazu, dass man auch weiter schlaflos bleibt.

Guter Schlaf ist erlernbar

Grundsätzlich ist es ratsam, bestimmte Routinen zu trainieren, um sie bei Bedarf abrufen zu können. Sind es etwa die negativen Gedanken, die das Einschlafen behindern, könnte z. B. ein Dankbarkeitstagebuch dabei helfen, diese zu bündeln. Wenn man jeden Abend vor dem Schlafengehen drei Dinge aufschreibt, für die man dankbar ist, lenkt man den Fokus automatisch auf das, was gut war. Besonders in Stresssituation oder gerne auch auf Reisen – also unter erschwerten Bedingungen – lassen sich einstudierte Routinen abrufen und bieten dadurch eine enorme Hilfestellung.

Schlafqualität und Schlafdauer

Die Qualität ist also von vielen Faktoren abhängig, deshalb ist es auch vermessen zu sagen, dass eine neue Matratze allein Garant für einen guten Schlaf ist – dennoch ist sie Grundvoraussetzung. Auch zur Schlafdauer gibt es keine pauschale Regel. Die richtige Dosis ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Wissenschaftlich betrachtet ist jedoch alles unter sechs Stunden ein Spiel mit der Gesundheit. Negative Auswirkungen können sich an Fortpflanzungsorganen, Gehirn und Gedächtnis bis hin zur genetischen Ebene bemerkbar machen. Studien von Krankenkassen besagen, dass die Schlafprobleme bei den Erwerbstätigen seit 2010 um mehr als 66 Prozent zugenommen haben. Mehr als zwei Drittel erscheinen morgens müde und/oder erschöpft zur Arbeit. Gleichzeitig ist die nächtliche Schlafdauer in den letzten zehn bis 15 Jahren rückläufig, momentan liegt der Wert bei knapp unter sieben Stunden im Schnitt pro Nacht. Muss man am Wochenende lange ausschlafen, um verlorene Energie aufzutanken, stellt sich eher die Frage, warum sich denn unter der Woche ein solches Schlafdefizit aufgebaut hat und ob es nicht sinnvoller wäre, diesem kontinuierlich entgegenzuwirken. Ein, zwei Stunden machen sicher nichts aus, steht man aber statt 6 Uhr erst um 11 Uhr auf, ist die Verschiebung der ersten Mahlzeit deutlich zu stark. Eine Ursache kann sein, dass man unter der Woche zu spät ins Bett geht. Es gibt einfach zu viel Ablenkung. Man kommt spät von der Arbeit heim und will noch etwas vom Abend haben, schaut noch einen Film oder eine Serie, obwohl man eigentlich müde ist oder verliert sich vor dem Schlafengehen im Handy. Der Schlafdruck ist dann meist überschritten. Denn Müdigkeit kommt in Wellen und ist nicht abrufbar.

Schlaf als Gesundheitsvorsorge

Wer nicht ausgeschlafen ist, ist deutlich anfälliger für Bakterien und Viren. Ausreichend Schlaf macht den Körper widerstandsfähig und ist die beste Art, um Stress und alltägliche Hürden zu meistern. 70 Prozent der Leistungsfähigkeit hängen damit zusammen, ob man ausgeschlafen und regeneriert ist.


Bild_Alesi.jpgUnser Experte: André Alesi ist Inhaber zweier Bettenhäuser und beschäftigt sich seit über 15 Jahren intensiv mit dem Thema Schlafen. Dabei wurde der Blickpunkt nach und nach auf die Ganzheitlichkeit gelenkt. Seine Vision, dieses Verständnis in die Gesellschaft zu tragen, verwirklichen er und sein Team seit einigen Jahren mit einem entsprechenden Beratungsunternehmen. Wann immer Schlaf und Regeneration zusammenkommen, sind sie gefragt: ob betriebliche Gesundheitsforderung, Leistungssteigerung im Alltag oder im Profisport, Schlafen auf Reisen, Schlaf und Schichtarbeit. Einzelcoachings, Blogeinträge oder Schulungen und Workshops zählen zu den Leistungen. Weitere Infos finden Sie auf:

www.sleep-consulting.de