Planung und Umsetzung: das Konzept Raumfabrik

Hinter der Raumfabrik steckt ein modernes Dienstleistungskonzept mit äußerst hohem Anspruch. Ziel ist die optimale Gesamtleistung für den Kunden von A bis Z, also bei der Architektur, Planung und der handwerklichen Ausführung. Aus der einstigen Kooperationsidee von Sven Schöpker aus Emsdetten sind inzwischen drei Standorte in Münster, Düsseldorf und auf Norderney entstanden. Was hinter dem Erfolgsrezept steckt und wie es funktioniert.

von Elena Deeg

Alles begann mit dem einfachen Wunsch des Tischlerbetriebes von Martin Schöpker, auf den Baustellen nicht die Fehler der anderen ausbügeln zu müssen. Schließlich ist der Schreiner bzw. Tischler erst relativ am Schluss an der Reihe. Wenn also bei den Arbeiten zuvor etwas schiefgeht, ist er der Leidtragende. Sein Sohn Sven Schöpker studierte gerade BWL und hatte das Thema Handwerkerkooperationen in den Vorlesungen behandelt, als Martin Schöpker mit besagtem Anliegen auf ihn zukam. Da der Junior zuvor eine Tischlerausbildung absolviert hatte, war er mit den Betriebsabläufen bereits gut vertraut. So entwickelte sich die Idee, Prozesse gemeinsam mit anderen Gewerken abzustimmen, um Fehlerquellen zukünftig zu vermeiden. Gemeinsam besprach man sich mit den Handwerkern aus der Region und daraufhin entwickelte Sven Schöpker ein Modell samt Businessplan und Grundkonzept: die Geburtsstunde der späteren Raumfabrik. Von nun an ging man Bauprojekte gemeinsam an, besprach sich im Team und stimmte Prozesse sinnvoll aufeinander ab. Sven Schöpker übernahm die Verantwortung und war intern wie extern der Ansprechpartner für sämtliche Belange. Nach drei Anfangsjahren wurde das Konzept um eine eigene Ausstellung erweitert und die erste Raumfabrik im nahegelegenen Münster eröffnet. Neu war auch die von Kundenseite gewünschte Erweiterung um den Planungsteil. Die Raumsituationen werden berücksichtigt und noch besser mit einbezogen. Schöpker erkannte schnell, dass durch die strukturierte Zusammenarbeit mit Partnerbetrieben und Architekten einfach viel bessere Gesamtleistungen angeboten werden können.

Mehrwert entsteht durch gute Planung

Prozesse vernünftig abbilden mit dem gleichen Ziel vor Augen, das beschreibt die Herangehensweise bei den gemeinsamen Projekten. Die Raumfabrik ernennt für jedes Bauvorhaben einen Projektleiter, dieser ist von der ersten Besprechung bis zur Bauabnahme übergreifend zuständig und natürlich auch Kundenansprechpartner. Einer von ihnen ist Thorsten Bertels, Innenarchitekt und seit nunmehr zehn Jahren Teil der Raumfabrik Münster. Der gelernte Tischler schätzt besonders die Abwechslung in seinem Job: „Wir bieten individuelle Raumlösungen in einem festen Team an. Ein Planer von A bis Z, vom Erstkontakt über den Entwurfsprozess, vorbereitende Maßnahmen vor und während der Bauphase bis hin zur Endabrechnung. D. h. ich bin beim Kunden, im Planungsbüro, bei den Handwerkerbesprechungen und zur Beratung im Schauraum.“ Die Kundenwünsche sind sehr unterschiedlich, je nach Typ Mensch und Bauanforderung. Doch einheitlich ist die hohe Qualität der Materialien, tolle Hölzer, die passende Beleuchtung und Atmosphäre – all das gehört stets dazu. Die gesamte Raumordnung wird angeschaut und die Kunden „mitgenommen“. Viele Klienten kommen auf Empfehlung, manche haben eine klare Vorstellung und andere wollen überrascht werden. Dazu werden zu allererst Checklisten abgefragt. „Wir wollen möglichst viel vom Kunden erfahren, bevor wir uns ans Konzept machen“, sagt Bertels. Dann erst beginnt der Planungsprozess: Skizzen anfertigen, Visualisieren, Bemustern, Beleuchtungskonzept erstellen und die Materialauswahl. Dabei werden die Gewerke oft schon mit einbezogen. Bei der Kalkulation werden interne Leistungsbeschreibungen formuliert, dazu bedarf es vorab oft eines Vor-Ort-Termins mit den Handwerkern. Die Leistungsbeschreibungen für die einzelnen Gewerke sind später im Lösungsvorschlag aufgelistet. Diese sind mit einem Festwert belegt, das vermeidet später Überraschungen bei den Kosten. Auch um die Schnittstellen wird sich bei der Raumfabrik gekümmert, zum Dienstleistungspaket gehört ein Staubschutzkonzept zum Start sowie die Endreinigung zum Schluss. Die Bauleitung obliegt dem Projektleiter und während der Bauphase folgen wöchentliche Termine. Für problemlose Abläufe sorgen professionalisierte EDV-Strukturen: Alle Beteiligten haben Zugriff auf Pläne, Bildmaterial etc. Das spart während der Prozesse Zeit und Geld.

Der Blick über den Tellerrand

„Das Wichtigste ist Bereitschaft, Offenheit und Erkenntnis; Mut gehört auch dazu, denn oft muss man Vertrautes erst einmal loslassen, um neue Wege zu gehen“, so beschreibt Bertels die notwendige innere Einstellung. Mit Freude bei der Sache sein, sein Fachwissen einsetzen und ganzheitlich denken. Aktuell arbeiten in Münster 16 Gewerke in der Raumfabrik zusammen: eine Ofensetzerei, Heizung und Sanitär, Elektriker, Lichtkonzepte, Dachtechnik, Maler, Rohbau, Medienintegration, Tischlerei, ein Fachmann für Naturstein, ein Einrichtungshaus, Parkett, Fensterbauer, Stuckateur, ein Fliesenleger und Trockenbauer. Die beiden anderen Standorte verfügen jeweils über eigene Teams. Die Betriebe sind rechtlich eigenständig und können über das Konstrukt der Raumfabrik das gemeinsame Marketing und die Vertriebsstrukturen nutzen. Der Kunde hat den Vorteil eines eingespielten Teams, spart Zeit und hat vor allem auch Kostensicherheit. Für die beteiligten Betriebe ist es eine Chance zu expandieren. Die Tischlerei Schöpker konnte ihren Umsatz durch die Raumfabrik verdoppeln. Sven Schöpker kämpft durch sein Tun auch für mehr gesellschaftliche Anerkennung für das Handwerk: „ Ein Meister sollte genau so viel wert sein wie ein Master“, so Sven Schöpker. Die Branche ist im Umbruch und Themen wie Ästhetik und Vertrauen werden in Zukunft immer wichtiger. Die Kunden wünschen sich Handwerk auf hohem Niveau und sind auch bereit zu investieren, allerdings nur, wenn sie sich verstanden fühlen. Das Marketingkonzept ist inzwischen zu einem Franchising-Modell geworden, wer gerade eine Kooperation aufbaut, doch über keine professionellen Strukturen verfügt, kann sich auf Anfrage an das Erfolgsmodell der Raumfabrik ankoppeln.

www.raumfabrik.de


Sven Schöpker

absolvierte vor seinem BWL-Studium eine Tischlerausbildung im elterlichen Betrieb. Auf Wunsch des Vaters entwickelte er das Modell einer Handwerkerkooperation, aus der schließlich die Raumfabrik entstand. Als Gründer und Geschäftsführer feilt er seit über zehn Jahren am Konzept und stellt sich ständig neuen Herausforderungen.


Konzept und Businessplan

Um dem Vorhaben einer Handwerkerkooperation einen professionellen Charakter zu verleihen, sollte im Vorfeld ein Konzept des Unternehmens mit definierten Zielen und Methoden festgelegt werden. Am besten erstellen Sie einen Businessplan, der das Geschäftsmodell beschreibt. Bestimmen Sie die Kerngewerke und grenzen Sie die unterschiedlichen Leistungen klar ab. Legen Sie eine Führungskraft fest, die pflichtbewusst und im Namen aller agiert.


Prozesse optimieren

Wer macht was wann? Um optimale Abläufe zu garantieren, muss vorab klar sein, wie viel Zeit einzelne Arbeitsschritte in Anspruch nehmen, was genau sie beinhalten und wie viel sie kosten. Daher sollte ein jeder Partnerbetrieb seine Leistungen mit Zeit- und Kostenangaben definieren. Bei der Angebotserstellung werden dann die einzelnen Blöcke zusammengefügt und ein gemeinsamer Lösungsvorschlag entsteht. Feste Preise und Zeitpläne können so eingehalten werden.


Offen sein für Neues

Prüfen Sie kontinuierlich, ob die festgelegten Prozesse so noch stimmen. Immer wieder lassen sich einzelne Schritte verbessern und weiterentwickeln. Behalten Sie äußere Einflüsse und Entwicklungen im Auge, gibt es neue Trends oder Technologien? Welchen Einfluss haben sie auf unsere Arbeit? Was könnte der nächste Schritt auf unserem Weg sein? Um optimale Ergebnisse zu erzielen, sind Engagement und die Freude an der Sache zentrale Faktoren.


Thorsten Bertels, Innenarchitekt

Um ein passendes Konzept erstellen zu können, möchten wir möglichst viel vom Kunden erfahren.“