Ebner Wohnkultur

Mutig sein und den eigenen Weg finden

Für Schreinermeister Tobias Ebner waren Naturmatratzen und Schlafsysteme der Einstieg in den Handel. Das ist nun zwanzig Jahre her. Bis heute gehören sie fest zum Angebot seiner Ausstellung im schwäbischen Weinstadt. Doch das ist längst nicht alles, denn nach und nach kamen weitere Handelswaren hinzu und bilden in der Zwischenzeit ein äußerst facettenreiches Sortiment an natürlichen Wohnmöbeln.

von Elena Schauwecker

In der Fußgängerzone im Ortsteil Beutelsbach liegt der Showroom von Ebner Wohnkultur. Beim Blick durchs Schaufenster entdeckt man Polstermöbel, Tische, Stühle, Regale und Betten. Mit etwa 80 m² ist die Ausstellungsfläche zwar überschaubar, das Angebot dafür erlesen und eben nur als Beispiel gedacht. Denn möglich ist hier viel: Inhaber und Schreinermeister Tobias Ebner zeigt, wie sich auf minimalistische Art das eigene Zuhause stilvoll einrichten lässt – immer mit Fokus auf Design und Ästhetik. Zu seinen Handelspartnern gehören ausschließlich Hersteller, die sich wie er auf massive Naturholzmöbel spezialisiert haben. „Mir war es wichtig, den Naturgedanken über die Ästhetik näherzubringen. Ich wollte zeigen, dass Öko nicht nach Öko aussehen muss“, so sein Credo.

Anders als gedacht

Dass Tobias Ebner nun schon seit zwei Jahrzehnten Räume plant und Möbel verkauft bzw. baut, war ursprünglich gar nicht sein Plan: „Ich stamme aus einer Akademikerfamilie, bei uns war eigentlich klar, dass man studiert. Mein Vater war Architekt und hat an der Fachhochschule in Biberach als Professor gelehrt. Aber nach dem Abitur wusste ich nicht genau, für welchen Studiengang ich mich entscheiden sollte, nur, dass ich gerne – so wie mein Vater – lernen würde, wie man schöne Möbel macht. Deshalb entschied ich mich erst mal für eine Schreinerlehre, bevor es dann richtig losgehen sollte. Doch dann hat mich das Thema nie wieder losgelassen. Erst kam der Geselle, dann folgte ein Exkurs in Architektur, jedoch merkte ich schnell, dass es das für mich nicht war. Es ging mir nicht darum, ein Gebäude zu entwerfen, vielmehr um die Gestaltung eines Innenraumes. Innenarchitektur kam nicht infrage, da es für mich irgendwie nicht konsequent genug war. Deshalb hörte ich nach dem Grundstudium auf und meldete mich stattdessen bei der Meisterschule an. Nebenher habe ich drei Tage gearbeitet und dann die Meisterprüfung absolviert. Ein Auftrag direkt im Anschluss ermutigte mich zur Selbstständigkeit.

Es war aber von Anfang an klar, dass ich Naturmöbel und nichts anderes mache. Da werden keine Spanplatten verarbeitet, da wird nicht lackiert, da soll wirklich der Naturgedanke im Vordergrund stehen. Mein Anliegen war, wirklich zu zeigen, welche Ästhetik, welche Wertigkeit von Naturmaterialien ausgeht. Von Anfang an war die Klarheit, entweder so oder eben nicht,“ erklärt Tobias Ebner, der im oberschwäbischen Oberdischingen aufwuchs und in Ulm die Waldorfschule besuchte. „Diese Einstellung hat mir geholfen. Anfangs habe ich mit vielen Schreinerkollegen gesprochen, die gesagt haben, Massivholzmöbel würden sie auch gerne machen, aber das zahle einem doch keiner, das funktioniere doch nicht. Aber mit dieser inneren Klarheit ging das – vielleicht auch, weil ich nicht um jeden Preis Schreiner sein wollte. In den darauffolgenden Jahren kamen viele Leute in die Werkstatt, die gar nicht speziell auf der Suche nach Massivholzmöbeln waren, ich habe aber einfach nichts anderes angeboten und dadurch sind sie überhaupt erst darauf aufmerksam geworden.“ Gleich von Beginn an wurden Entwürfe mit dem 3D-Visualisierungsprogramm Pytha konstruiert. Zum einen wollte Ebner die Sicherheit haben, dass sich das Vorhaben wie gedacht realisieren ließe und zum anderen – und das war der eigentliche Grund – fand er die Vorstellung furchtbar, dass ein Kunde am Ende enttäuscht sein könnte, weil er es sich anders vorgestellt hatte. „Der Wow-Effekt kam trotzdem und zwar durch das Material,“ erzählt er stolz.

Nach drei Jahren Schreinerei kamen dann eine Azubine sowie nach und nach die ersten Mitarbeiter dazu. Parallel folgte der Aufbau einer eigenen Ausstellung. „Bis 2009 waren wir fünf Mitarbeiter, es gab jedoch auch ein Wachstum, das mir persönlich zu schnell ging, denn die Betriebsstrukturen waren nicht richtig mitgewachsen. Alles lief über mich, irgend- wann musste ich zu viele Brände löschen und war bald überlastet. Ein Auffahrunfall sowie ein Unfall an der Kreissäge haben mir gezeigt, dass ich wieder runterfahren musste. Zeitgleich hat die Qualität der Bewerber nachgelassen, sodass es vorkam, dass wir Lehrlinge nach dem ersten Lehrjahr nicht weiter übernommen haben. Über das Baden-Württemberg-Stipendiat kam dann Kari, ein junger, sympathischer Schreiner aus Finnland, zu uns und blieb als Geselle für einige Jahre. Als er dann wieder zurückging, hätte ich ihn von der Auftragslage her eigentlich ersetzen müssen, was ich aber nicht getan habe. Ich stellte fest, dass ich lieber weniger Mitarbeiter habe und so habe ich es ganz natürlich auslaufen lassen. Dank des Showrooms und den Verkauf von Handelware war dieses Konzept überhaupt erst möglich. Wir haben viele Betten gemacht und dabei kam der Gedanke, dass wir zu den selbstgebauten Betten auch das passende Innenleben mitanbieten können.

Bewusst auf sich aufmerksam machen

Es ist kein Zufall, dass Kunden aus dem Großraum Stuttgart und darüber hinaus gezielt zur Ausstellung nach Weinstadt-Beutelsbach fahren. Denn Tobias Ebner erkannte die Wichtigkeit des Gefundenwerdens und investiert neben einer professionellen Webseite auch in die Optimierung durch Verschlagwortung, durch den regelmäßigen Versand eines Newsletters macht er zudem bewusst auf Sonderaktionen aufmerksam. „Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen noch auf der Suche nach einem guten Schlafuntergrund sind, weil sie gesundheitliche Probleme haben. Die Qualität der Materialien überzeugt. Und es ist schön zu sehen, wie man den Menschen mit diesen wirklich großartigen Produkten auch weiterhelfen kann. Dazu muss man sich aber auch regelmäßig weiterbilden und auskennen, denn das Thema Schlaf ist immer auch ein medizinisches und außerdem mit viel Beratung verbunden. Auch Schulungen direkt bei den Herstellern gehören dazu, denn man wird zum Schlafberater und das bringt auch eine gewisse Verantwortung mit sich. Darüber sollte man sich vorher im Klaren sein,“ so Ebners Rat.

In der Ausstellung demonstrieren zwei Holzbetten mit Innenleben die Produkte der Naturmatratzenhersteller. Ein Probeliegen ist bei einer Fachberatung quasi unabdingbar. „Der heutige Kunde schaut, ob ihm das Gesamtkonzept des Anbieters gefällt. Wenn ich das dem Kunden nicht vermitteln kann, wird er es nicht nehmen. Die Kaufentscheidung ist eine emotionale und dabei spielt sich viel zwischen den Zeilen ab. Man muss hinter dem Produkt stehen, anders macht es kaum Sinn. Oft ist es auch der Fall, dass ein Kunde ein Bettsystem oder eine Matratzte gut findet, aber lange darüber nachdenkt. Dann kommt eine Aktion und plötzlich steht er da,“berichtet Tobias Ebner aus Erfahrung.

Handel als wertvolle Ergänzung

Nach all den Jahren ist Ebner überzeugt: „Es macht absolut Sinn, eigene Produkte um Produkte zu ergänzen, die wir selbst nicht herstellen können, wie Polstermöbel oder Matratzen – aber auch um Möbel, die anderswo wirtschaftlicher produziert werden. Ein gutes Beispiel dafür sind Stühle, geschwungene Formen oder ausziehbare Tische. In der Schreinerei kann man prima Tische in festen Tischgrößen produzieren, kommt aber eine Auszugsthematik hinzu, muss man Beschläge hinzukaufen und es wird wesentlich mehr Zeit benötigt. Dafür haben andere bereits sehr gute Lösungen entwickelt. Die eigene Arbeit also sinnvoll ergänzen, mit zugekauften Handelswaren, die andere aufgrund ihrer Spezialisierung schon wirtschaftlicher herstellen können. Und ganz pragmatisch betrachtet: Sie liefern einen Tisch oder ein Bett aus, ob Sie da jetzt noch Stühle mit im Auto haben oder ein Schlafsystem, wo ist da der Unterschied?

Manufaktur für besondere Dinge

Momentan liegt der Schwerpunkt von Ebner Wohnkultur zwar hauptsächlich auf dem Handel, doch geht es nach dem Inhaber, darf es in Zukunft gerne wieder etwas mehr an Schreinerarbeit sein. Deshalb ist Tobias Ebner auf der Suche nach einem Objekt mit Potenzial: „Schön wäre eine ältere, loftähnliche Halle im Industrielook, in der sich Ausstellungsfläche und eine kleine Werkstatt miteinander vereinbaren lassen und die vom Großraum Stuttgart aus gut erreichbar bleibt. Die Kombination aus Handel und Handwerk weiter auszubauen ist dabei Grundgedanke – und als Ergänzung handgefertigte Unikate aus Massivholz: „Ein ausdrucksstarkes Holz, daraus macht man ein Tisch genau in der Größe und mit dem Gestell, das zu dem Holz passt, das Holz gibt vor, was das richtige Produkt ist. Und nicht umgekehrt. Nach diesem Verfahren haben wir in der Vergangenheit bereits viele wunderbare Tische über die eigene Ausstellung verkauft. Ein eigener Showroom beinhaltet sehr viele spannende Möglichkeiten, unabhängig davon, ob man nun Handelsware oder eigene Möbel zeigt.“ Bei dieser Zukunftsvision strahlen die Augen von Tobias Ebner, denn hier hat ein passionierter Gestalter seinen ganz eigenen Weg gefunden.


„Ich wollte lernen, wie man schöne Möbel macht. Deshalb entschied ich mich für eine Schreinerlehre.“

„Mir war es wichtig, den Naturgedanken über die Ästhetik näherzubringen. Ich wollte zeigen, dass Öko nicht nach Öko aussehen muss.“

Tobias Ebner


Ebner Wohnkultur

Portfolio | Spezialisierung auf natürliches Wohnen und gesunden Schlaf. Naturmöbel nach Maß, Sofas, Sessel, Stühle, Tische, Sideboards, Schränke, Regale, Accessoires. Ganzheitliche Einrichtungsberatung: Design, Funktion, Gesundheit und Nachhaltigkeit. Einrichtungsplanung mit CAD-Visualisierung.

Ausstellungsgröße | 80 m²

Anteil Schreinerei | 20 Prozent

Anteil Handelsware | 80 Prozent

Handelspartner | Leolux, Tonon, Girsberger, Zeitraum, Hüsler Nest, Signet, Holzmanufaktur, Varier, Elza, Trend

www.ebner-wohnkultur.de