Serie: Küchenplanung Teil 2

Ergonomie und mehr

Sie spielte bei der Frankfurter Küche eine große Rolle und ist immer noch Grundlage jeder Küchenplanung – die Ergonomie. Wie eine ergonomisch richtige Küche heute aussieht, welche Einbaugeräte „state of the art“ sind und worauf der Küchenplaner sonst noch achten sollte, klärt Teil 2 unserer kleinen Serie zur Küchenplanung.

von Birgit Werthebach

Der Mensch ist das Maß aller Dinge: Was der griechische Philosoph Protagoras schon in der Antike feststellte, gilt bei der Küchenplanung sogar in mehr als einer Hinsicht. Neben Lebensstil, Kochgewohnheiten und Designvorstellungen entscheiden nämlich auch die körperlichen Merkmale der späteren Nutzer, wie die Küche letztendlich aussieht. Üblicherweise wird sie auf denjenigen abgestimmt, der sie am häufigsten nutzt.
Ziel einer ergonomischen Planung ist es dabei, in allen fünf Arbeits- und Funktionszonen ein körpergerechtes, sprich rücken- und gelenkschonendes Arbeiten zu ermöglichen. Weil eine langandauernd gebeugte Arbeitshaltung die Wirbelsäule ebenso belastet wie das Arbeiten in ständiger Überstreckung, braucht ein Zwei-Meter-Mann logischerweise eine andere Arbeitshöhe als eine kleine, zierliche Frau.
Das Maß für die individuell richtige Arbeitshöhe ist aber nicht mehr wie früher die Körpergröße, sondern die Ellenbogenhöhe, also der Abstand vom Boden bis zum Ellenbogengelenk, gemessen am um 90 Grad abgewinkeltem Unterarm. Denn je nach Länge der Arme und Beine können gleich große Personen durchaus unterschiedliche Ellenbogenhöhen haben.
Als ergonomisch optimal empfiehlt das Institut für Arbeitswissenschaft (IAD) der TU Darmstadt eine 10 bis 15 cm unterhalb der Ellenbogenhöhe platzierte Arbeitsplatte. Soll eine gemeinsame Arbeitshöhe für mehrere Personen festgelegt werden, sind Abweichungen um 5 cm nach unten und 10 cm nach oben ebenfalls noch akzeptabel.
An ihre Grenzen kommen diese Empfehlungen jedoch, wenn sehr kleine und sehr große Personen die Küche gemeinsam nutzen möchten. Hier ist der kreative Küchenplaner gefragt, beispielsweise mehrere Arbeitsflächen in unterschiedlichen Höhen einzuplanen, sodass jeder Nutzer seinen eigenen Arbeitsplatz zum rückenschonenden Schnippeln, Rühren oder Teigkneten hat. Ist die Küche zu klein für getrennte Arbeitsbereiche, sorgt eine höhenverstellbare Arbeitsplatte für optimale ergonomische Bedingungen. Moderne Systeme sind nahezu unsichtbar in die Schränke integriert und funktionieren auf Knopfdruck. Einziger Nachteil: Es geht Stauraum verloren, weil Hydraulik und Elektronik Platz brauchen. Je kleiner die Küche, umso kompakter sollte daher der Arbeitsplattenlift gewählt werden.
Standards und Trends bei Einbaugeräten
In der modernen Küche werden Kochen und Backen getrennt. Im Trend liegen Induktionskochfelder ohne feste Zonen, die ein flexibles Platzieren der Töpfe erlauben. Spezielle Kochzonen für Wok oder Teppanyaki werden ebenfalls verstärkt nachgefragt und gesundheitsbewusste Kunden wünschen sich oft einen Dampfgarer.
Um die Anzahl der Einzelgeräte in der Küche zu reduzieren, wird der Backofen immer mehr zum Allrounder, der nicht nur backen, sondern auch grillen, braten oder sogar dampfgaren kann. Viele Backöfen haben auch eine eingebaute Mikrowellenfunktion. Generell ist der Kundenwunsch nach einer „Mikrowelle“ aber rückläufig.
In jede Küche gehören außerdem Kühlschrank und Spülmaschine, beides komfortabel in Arbeitshöhe eingebaut, sowie ein effizienter Dunstabzug mit ausreichender Kopffreiheit. Außerdem wünschen sich immer mehr Kunden kleinere Einbaugeräte, z. B. eine Brotmaschine, das klappbare Bügelbrett oder einen in den Sockel integrierten Klapptritt.
Energieeffizienz ist natürlich auch in der Küche ein Thema, insbesondere beim „Dauerverbraucher“ Kühlschrank, der in der höchsten Energieeffizienzklasse A+++ nur noch halb so viel Strom verbraucht wie ein ohnehin schon sparsames Gerät der Klasse A+. Das freut Geldbeutel und Umwelt gleichermaßen. Aufschluss über die Energieeffizienz gibt das EU-Energielabel, das für fast alle Elektrogeräte mittlerweile Pflicht ist. Dort finden sich auch Angaben zur Lautstärke des Geräts – vor allem bei einer offenen Küche ein wichtiges Entscheidungskriterium. Im Sinne der smarten Küche bieten einige Hersteller mittlerweile auch die (teilweise) Steuerung der Geräte mittels Smartphone-App an.
Farbe und Material: die Oberflächen
Die meisten Menschen nutzen ihre Küche täglich. Bei einer Lebensdauer von durchschnittlich 17 Jahren müssen Farbe und Material also auch nach 6205 Tagen noch überzeugen. Früher wurden daher bevorzugt Oberflächen in neutralem Weiß, Beige oder Grau empfohlen. Heute ist der Küchenplaner viel flexibler und so halten vermehrt auch frische, kräftige Farben Einzug in die Küche, gerne kombiniert mit echtem Holz oder Holzdekoren. Der „Trick“: Achten Sie bei der Planung darauf, dass intensive Farbtöne und starke Kontraste beim Arbeiten in der Küche außerhalb des Sichtbereichs der Nutzer liegen. Wählen Sie also z. B. knallroten Hochglanzlack eher für die Fronten als für die Arbeitsplatte.
So kann der Nutzer ablenkungsfrei arbeiten. Sieht er sich doch mal satt an seiner heutigen Lieblingsfarbe, lassen sich die Fronten leicht austauschen oder umgestalten. Damit das nicht so schnell passiert, rät der Arbeitskreis Moderne Küche (AMK) zu maximal drei Farben in der Küche.
Dass alle Oberflächen robust, langlebig und pflegeleicht sein müssen, versteht sich von selbst. Bei offenen Küchen sollten die in den angrenzenden Wohnräumen verwendeten Farben und Materialien ebenfalls in die Planung einfließen. Dank klarer Linien und „wohnlicher“ Oberflächen machen Möbel aus den Küchenprogrammen der Hersteller heute auch im Wohnbereich eine gute Figur. Gerade Highboards oder Sideboards eignen sich sehr gut, um den Übergang von der Küche zum Wohnen harmonisch zu gestalten.
Das richtige Lichtkonzept für die Küche
Die Küche ist Wohn-, Lebens- und Arbeitsraum in einem, d. h. sie braucht sowohl „Stimmungslicht“ als auch blend- und schattenfrei ausgeleuchtete Arbeitsplätze. Ein durchdachtes und an die Gewohnheiten der Nutzer angepasstes Lichtkonzept ist also Pflicht. Eine gute Allgemeinbeleuchtung erleichtert die Orientierung in der Küche. Warmweißes Licht mit einer Lichtstärke von ca. 150 Lux ist dafür optimal, ob klassische Küchenleuchte in der Mitte des Raumes, mehrere Strahler oder indirekte Beleuchtung mittels LED-Stripes, bleibt dabei dem Geschmack der Nutzer überlassen.
Die Arbeitsflächen brauchen mit 500 bis 650 Lux deutlich stärkeres Licht, das außerdem Farben originalgetreu wiedergeben sollte. So lässt sich die Qualität der Lebensmittel gut beurteilen und das Arbeiten mit scharfen Gegenständen geht leichter und sicherer von der Hand. Leuchten, die in Schränke eingebaut werden, brauchen das entsprechende Brandschutzkennzeichen.