Mit der richtigen Küchenplanungssoftware punkten Sie besonders im Kundengespräch mit einer professionellen Visualisierung Ihrer Planung
Mit der richtigen Küchenplanungssoftware punkten Sie besonders im Kundengespräch mit einer professionellen Visualisierung Ihrer Planung
Foto: Compusoft
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3D-Küchenplanersoftware: So finden Sie die „Richtige“

Neben dem Bad wird in der Küche das meiste Geld verbaut. Fehlplanungen sind deshalb teuer. Digitale 3D-Küchenplaner zeigen Kunden, wie die „Traumküche“ später aussieht und unterstützen Verkäufer bei der Planung, Kalkulation und Bestellung.

von Marian Behaneck

Digitale B2B-Küchenplaner werden immer besser. Sie haben sich inzwischen zu leistungsfähigen Verkaufsinstrumenten entwickelt, mit denen Fachhändler, Küchendesigner, Schreiner oder Küchenhersteller ihren Kunden gleich nach dem Beratungsgespräch ein maßgeschneidertes Angebot unterbreiten können und so schneller zum Verkaufsabschluss kommen. Von der Entwicklung erster Einrichtungsideen und deren Präsentation, über die Ausführungs- und Detailplanung, Angebotserstellung, bis zur Bestellung und Ausführung – aktuelle Küchenplanungs-software deckt inzwischen alle Bereiche lückenlos ab. Doch es gibt Unterschiede: in der Konzeption und im Funktionsumfang ebenso wie in der Benutzerführung und Bedienung. Dieser tabellarische Produktvergleich bietet eine erste Auswahlhilfe.
Natürlich lassen sich Küchen auch mit Grafik- oder CAD-Programmen planen. Doch während mit branchenfremder Software viele Aufgaben manuell erledigt werden müssen, machen digitale Küchenplaner für den B2B-Bereich vieles automatisch: die Konstruktion von Arbeitsplatten, Kranz-, Licht- und Sockelleisten, den Austausch von Küchenmodellen unterschiedlicher Hersteller, Ausführungen und Farben innerhalb einer Küchenplanung, die Generierung und Aktualisierung von Grundrissen, Ansichten, Installations- und Montageplänen oder die Berechnung von Preisen und den Preisvergleich zwischen verschiedenen Varianten.
Was können Küchenplaner?
Das beschleunigt Prozessabläufe und hilft, Fehler beim Planen, Anbieten und Bestellen zu vermeiden. Noch bevor die erste Leitung oder Fliese verlegt wird, kann die Küchenplanung auf Herz und Nieren geprüft werden. So lassen sich ergonomische Schwächen, fehlende Stauräume, Ablageflächen oder Arbeitsräume im Vorfeld korrigieren. Räumliches muss nicht mehr manuell in zweidimensionale Pläne umgesetzt werden. Alle für die Ausführung erforderlichen Grundrisse, Ansichten oder Schnitte, Einrichtungs-, Montage- oder Installationspläne werden automatisch aus dem 3D-Modell generiert. Darin sind auch alle kaufmännisch relevanten Daten enthalten. Ist die Küche fertig eingerichtet, lassen sich daraus alle Informationen für die Kalkulation, Angebotserstellung und Bestellung ableiten. Das Angebot kann in Form einer attraktiven, illustrierten Angebotsmappe ausgedruckt oder als digitales PDF-Dokument ausgegeben und inklusive aller für die Kaufentscheidung relevanten Grundrisse, Ansichten und Visualisierungen Kunden per E-Mail zugesandt werden. Geht der Auftrag ein, können alle folgenden Bestell-, teilweise auch Fertigungs- und Montageprozesse direkt aus dem Programm heraus angestoßen werden.
Von der Skizze zur virtuellen Realität
Kunden fällt es schwer, sich ihre zukünftige Küche anhand von Skizzen, Materialmustern oder Mustereinrichtungen vorzustellen. Hat der Kunde ein anderes Ergebnis vor Augen als der Küchenplaner oder -verkäufer, kommt es zu Missverständnissen. Abhilfe schaffen anschauliche Visualisierungen, deren Grundlage die 3D-Küchenplanung ist. Aus dem 3D-Modell lassen sich automatisch Ansichten, Schnitte, Perspektiven oder Isometrien erzeugen. Über eine Multi-Display-Präsentation kann der Berater die Küchen auf einem Bildschirm planen und auf dem anderen dem Kunden präsentieren. Mithilfe einer „Skizzenfunktion“ können diese technischen Darstellungen in künstlerisch wirkende, kolorierte „Handskizzen“ verwandelt werden. Per Anzeigeprogramm (Viewer) oder 3D-PDF können Kunden die Entwürfe zu Hause am eigenen PC oder Tablet in Ruhe als 360-Grad-Panorama oder Video anschauen und virtuell „begehen“. Noch mehr Realitätsnähe ermöglicht die VR-Präsentation (Virtual Reality). Damit kann der Kunde noch in der Planungsphase über spezielle Monitore oder VR-Brillen in seine zukünftige Küche virtuell „eintauchen“ und nahezu real erleben. Dieser technische Aufwand kann sich schnell amortisieren, weil die Präsentation zum besonderen Erlebnis wird. Dann identifiziert sich der Kunde auch emotional mit der Küche, was Entscheidungsprozesse beschleunigt.
Planung und Kalkulation aus einer Hand
Exakte Raummaße sind eine Grundvoraussetzung für eine präzise Küchenplanung. Auf der Grundlage von Aufmaßdaten wird der Grundriss eingegeben, inklusive aller Fenster, Türen, Abwasser-, Wasser-, Gas- und Elektroanschlüsse. Alternativ können auch Daten von Aufmaßprogrammen eingelesen oder CAD-Zeichnungen des Architekten per DXF-Schnittstelle importiert werden. Unterschiede gibt es sowohl in der Bedienung, in der Funktionsauswahl, aber auch in der Möglichkeit, Dachschrägen und -fenster, Wände, Stützen, Vormauerungen, runde oder frei geformte Wände etc. eingeben zu können. Die Einrichtung mit Schränken, Küchengeräten und Accessoires wird durch zahlreiche Automatismen unterstützt: Dazu werden die Objekte aus strukturierten und illustrierten Herstellerkatalogen per „Drag and Drop“ in den Grundriss eingefügt, was die Kücheneinrichtung vereinfacht und erheblich beschleunigt. „Assistenten“ helfen bei der Auswahl und Einrichtung, Fangmodi bei der präzisen Platzierung im Grundriss, der Ansicht oder in der 3D-Projektion. Eine Messfunktion ermöglicht die Kontrolle von Flächen, Abständen und Höhen. Alle in der Zeichnung verwendeten Einrichtungsgegenstände werden inklusive Stückzahl, Abmessungen, Ausstattungen, Modellbezeichnung, Bestellnummern etc. aufgelistet und für Kostenkalkulationen, Angebote und Bestellungen genutzt. Eine Vor- und Nachkalkulation ermöglicht für den Kunden attraktive und dennoch in der Gewinnzone liegende Angebote. Dabei werden von den meisten Programmen wichtige, branchenübliche Aspekte wie die Blockverrechnung, Kernsortimentspreise, Gewinnschwellen, Roherlöse und Provisionen berücksichtigt. Über elektronische Datenaustauschstandards (EDI, EANCOM etc.) können Planer ihre Bestelldaten unmittelbar an industrielle Hersteller senden. Das ermöglicht eine schnelle digitale Auftrags- und Bestellabwicklung. Die Daten können vom Lieferanten unmittelbar verarbeitet werden, was durch Medienbrüche bedingte Fehlbestellungen vermeiden hilft. Anbindungen an ERP-Branchensysteme oder Warenwirtschafts-Systeme steigern zusätzlich die Produktivität und den „Workflow“.
Welche Programme gibt es?
B2B-Küchenplaner lassen sich kaufen, teilweise auch mieten oder leasen. Auch professionelle Cloud-Lösungen gibt es bereits (z. B. Carat Onlineplaner, Echtzeit-3D-Onlineplaner etc.). Damit können Küchenplaner mit jeder Hardware und mit jedem Betriebssystem über das Internet jederzeit und von überall auf stets aktuelle Softwarefunktionen und Projektdaten zugreifen. Daneben offerieren Softwarehersteller auch auf Endverbraucher abzielende, intuitiv bedienbare Online-Planer (z. B. Winner Cloud). Diese können z. B. Küchenhäuser in ihren Internetauftritt zur Kundengewinnung einbauen. Mit „Dein-Konfigurator“ wird auch eine auf die Konfiguration von Küchenelektrogeräten spezialisierte Lösung offeriert. Die Preise liegen, je nach Funktionsumfang, zwischen 1000 und 6000 Euro, wobei niedrigere Einstiegspreise meist mit Einschränkungen verbunden sind (wenige Herstellerkataloge, kleinerer Funktionsumfang etc.). Hinzu kommen Kosten für Schulungen, Support, Updates/Upgrades, respektive jährliche Wartungskosten. Auch hier lohnt sich ein Vergleich.
… und worauf sollte man achten?
Große Unterschiede gibt es auch bei der Verknüpfung von Planung und Kalkulation. Bei modernen Lösungen sind der grafische und der kalkulatorische Teil vollständig integriert. Das bedeutet technisch, dass ein in der Grafik konstruierter Grundriss, eine Ansicht oder ein Arbeitsplattenschema und die kaufmännische Auflistung der darin enthaltenen Artikel in einer Datenbank abgelegt sind. Praktisch bedeutet das für den Küchenplaner, dass alle Änderungen und Ergänzungen im grafischen Teil zeitgleich im Angebotsteil sichtbar sind. Umgekehrt werden nahezu alle Änderungen im Angebot automatisch vom Zeichnungsteil übernommen. Ist das nicht der Fall und müssen die Daten über eine Schnittstelle exportiert und anschließend importiert werden, kommt es bei Änderungen aufgrund unterschiedlicher Datenbestände fast zwangsläufig zu Planungsfehlern und Fehlbestellungen.
Wichtig ist ferner, dass Grundrisse schnell eingegeben und die Küchen schnell eingerichtet werden können, damit der Kunde nicht lange warten muss. „Intelligente“ Assistenten sollten die Kücheneinrichtung unterstützen und beispielsweise unterschiedliche Arbeitsplattenhöhen automatisch berücksichtigen, ebenso wie Abstände oder notwendige Arbeitsräume. Die Einrichtungsgegenstände sollten mit Hilfe bebilderter, deutschsprachiger Kataloge möglichst vieler Hersteller ausgewählt und in den aktuellen Grundriss eingefügt werden können. Eine umfassende, stets aktuelle Katalogdatenbank ist quasi das „Tafelsilber“ eines Küchenplanungsprogramms, denn auf diesen Artikel-, Kalkulations- und Bestelldaten basiert die gesamte Küchenplanung. Besonders wichtig ist daher eine automatische Online-Aktualisierung von Katalogdaten der Küchenhersteller. So bleiben Katalogdaten stets up to date und Fehler durch überholtes Datenmaterial werden vermieden. Daher sollte man vor der Kaufentscheidung stets auch die Qualität der Katalogdaten eingehend prüfen. Die aktuelle Planung sollte jeweils in mehreren, individuell einstell- und verschiebbaren Fenstern und in beliebigen Detailausschnitten darstellbar sein. Die automatisch generierten 2D-Pläne sollten ferner grafisch nachbearbeitet werden können, um etwa eine fehlende Beschriftung oder Bemaßung manuell ergänzen zu können. Für den Planexport sollte eine PDF-Schnittstelle vorhanden sein, für Präsentationszwecke (Print und Online) ist ein Grafik-Export sinnvoll (JPG, TIF, BMP, VRML etc.).
Wo gibt es noch Entwicklungspotenziale?
Während verkaufsunterstützende Funktionen wie die virtuelle Küchenpräsentation bereits einen hohen Standard erreicht haben, gibt es in anderen Bereichen noch Entwicklungsbedarf. So ist etwa die ergonomische oder barrierefreie Küchenplanung bei den meisten Softwareanbietern noch nicht angekommen. Bei einigen Badplanungsprogrammen ist dies schon Standard. Dabei kann man beispielsweise überprüfen, ob die Planung für Benutzer mit unterschiedlichen körperlichen Einschränkungen geeignet ist und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt. Angesichts der langfristigen demographischen Entwicklung und der Tatsache, dass Senioren eine kaufkräftige Zielgruppe bilden, sind derartige Funktionen sinnvoll.
Fazit: Nicht nur Funktionen zählen …
… auch die Bedienung ist wichtig! Küchenplanungssoftware unterscheidet sich neben dem Funktionsumfang auch über den Bedienungskomfort, die Benutzerfreundlichkeit, Bedienungsabläufe und so weiter. Deshalb sollte man nicht nur darauf achten, ob das konkrete Programm alle für das eigene Aufgabenspektrum relevanten Funktionsanforderungen erfüllt, sondern auch, wie sich die Arbeit mit der Software „anfühlt“: Wie einfach und intuitiv oder kompliziert und umständlich sind Arbeits-abläufe? Werden unnötige Mehrfacheingaben vermieden? Wie gut ist die Software auf meine Bedürfnisse zugeschnitten und so weiter? Leider treten die tatsächlichen Stärken und Schwächen erst beim praktischen Arbeiten mit der Software zutage – also nach dem Kauf. Aber man kann im Vorfeld auf Details achten und die Programme vergleichen – etwa mithilfe dieses tabellarischen Produktvergleichs, an dem allerdings leider nicht alle Anbieter teilgenommen haben (siehe Infokasten). Listet man wichtige Funktionen in einer „K.o.-Liste“ auf, kann man anhand dieser Liste die Vielzahl des Programmangebots einschränken: Erfüllt ein Programm ein oder mehrere essenzielle Kriterien nicht, ist es aus dem Rennen. Bleiben zum Schluss zwei Lösungen übrig, sollte es nicht mehr schwer fallen, nach einer Prüfung der Softwaredemoversion oder einer Softwareteststellung die „Richtige“ zu finden.