Ausstellung in der Praxis

Veränderung als Tradition

Ein Allgäuer Familienunternehmen vereint seit über 50 Jahren erfolgreich Schreinerhandwerk und Möbelhandel. Als Schreinerei vor 140 Jahren in Fischen gegründet, wurde Möbel Klaus konstant weiterentwickelt. In vierter Generation leitet Wolfgang Klaus die Geschicke des Möbelhauses mit Schreinerei. Der Schwerpunkt des Vollsortimenters liegt auf der Kompletteinrichtung vorwiegend von Ferienwohnungen und Gästezimmern. Inhaber Klaus weiß, worauf es ankommt: Konzept, Leistungsangebot und Handelsware sind auf die Alpenregion mit vielen Urlaubern abgestimmt.

von Julia Blöser

Berge, klare Luft, Ruhe, Sportmöglichkeiten in der Natur und Tourismus prägen die Gegend der Allgäuer Alpen. Das prägt wiederum die dort ansässigen Unternehmen. In Fischen nahe Oberstdorf hat Möbel Klaus Tradition. 1876 gründete Johann Klaus die Möbelschreinerei und legte damit legte den Grundstein für einen stetig wachsenden Betrieb, der zugleich traditionsbewusst und zukunftsorientiert ist. In dritter Generation wurde die Schreinerei um eine Möbelhandlung erweitert: Bereits 1962 schuf Robert Klaus Ausstellungsräume. Wolfgang Klaus, Nachfolger in vierter Generation, erläutert: „In den 60er- und 70er-Jahren explodierte die Tourismusbranche in der Region – die Schreinerei kam mit der Fertigung nicht mehr nach und das Sortiment wurde durch Handelsware aufgestockt.“ Die Aufträge bestanden vor allem darin, Hotels und Pensionen mit Möbeln zu beliefern. „Das Geschäft verlagerte sich in dieser Zeit dahingehend, dass die Schreinerei nur die Ergänzung zum Möbelhaus war“, so der Schreinermeister und gelernte Einzelhandelskaufmann.
Wandel und Wachstum
Als Wolfgang Klaus den väterlichen Betrieb mit seiner Frau Maria übernahm, lag das Verhältnis des Umsatzes von Möbelhaus zu Schreinerei bei rund 80 zu 20 Prozent. Nach der Übernahme 1989 nahm Klaus Modifizierungen vor: Zunächst hat er 1990 die bestehende Ausstellung erneuert. Zudem entschied er, den Schwerpunkt nicht vornehmlich auf dem Möbelhandel zu belassen. Denn Klaus ist überzeugt: „Das Handwerk wird gebraucht.“ Damit die Kapazitäten der Schreinerei wieder wachsen konnten, veranlasste er 1997 den Neubau einer modernen, 520 m² großen Werkstatt. Heute ist das Umsatzverhältnis zwischen Möbelhaus und Schreinerei ausgewogen und ergänzt sich gegenseitig erfolgreich. Zehn Schreiner beschäftigt Wolfgang Klaus inzwischen. Drei der Mitarbeiter sind auch im Verkauf tätig. 2005 folgten weitere Modernisierungsmaßnahmen, diesmal das Möbelhaus betreffend: Die Ausstellung erstreckt sich seitdem über drei Etagen. Kunden können sich auf 800 m² Ausstellungsfläche umschauen − nicht nur zu festen Öffnungszeiten, sondern auch flexibel nach Absprache.
Der Großteil der Kunden sind Eigentümer von Wohnungen, die an Touristen vermietet oder privat als Feriendomizil genutzt werden. Denn der Tourismus kennzeichnet noch immer das Geschäftskonzept des Traditionsbetriebs Möbel Klaus: Mehr Gästebetten als Einwohner gibt es in der Region. So ist Möbel Klaus spezialisiert auf die Einrichtung von Ferienwohnungen, Appartements und kleinen Pensionen, vornehmlich in einem Umkreis von 30 km um Fischen sowie in München, Ravensburg und in der Schweiz.
Wolfgang Klaus legt das Augenmerk auf die Innenausstattung und bietet die Neugestaltung, Renovierung und den Umbau von Wohnungen und Appartements an. Das Möbelhaus mit Schreinerei übernimmt die Kompletteinrichtung, beginnend bei der Beratung und Planung über die Fertigung bis zur schlüsselfertigen Montage. Das Leistungsangebot beinhaltet auch die Koordination der verschiedenen Gewerke.
Wohnen nach Maß
Das Erfüllen individueller Kundenwünsche ist das Hauptanliegen des Familienunternehmens. Dies gelingt durch die Verbindung der beiden Standbeine Handwerk und Handel. In der Schreinerei fertigen Klaus und seine Mitarbeiter maßangepasste Küchen, Einbauschränke, Schlaf- und Badezimmermöbel, aber auch Decken- und Wandverkleidungen. Das Spektrum ist dabei vielseitig und reicht von der ländlich-rustikalen über eine zeitlos-klassische Einrichtung bis zum modernen, alpinen Lifestyle. Ebenso zeitgemäß wie gemütlich sollen die Ferienwohnungen sein. Landhaus- und Bauernmöbel erfreuen sich dabei beständig hoher Nachfrage, verrät Klaus.
Nicht nur selbst produzierte Möbel wer-den angeboten: So sind über das Möbelhaus beispielsweise auch zugekaufte Bauernschränke zu finden. „Je nach Kundenwunsch und -budget ergibt sich, an welcher Stelle ich Produkte aus der Schreinerei oder Ware aus dem Möbelhaus einsetze“, so Klaus. „Auf den Tourismus haben wir auch unseren Handel ausgerichtet“, führt er weiter aus.
Beim Bezug der Handelsware setzt Klaus seit 1990 auf den Verband Möbel-Zentral-Einkauf. Die Verbandsgemeinschaft MZE für mittelständische Fachgeschäfte umfasst 600 Lieferanten und bietet damit ein breit gefächertes Einkaufsvolumen. Die Warengruppen reichen von Polstermöbeln über Küchen bis zur Beleuchtung. Seit über 25 Jahren ist Klaus zufrieden mit der Partnerschaft: „MZE ist genau für einen Mittelständler und ein Kleinunternehmen da: Es muss kein Mindestumsatz bei bestimmten Händlern gemacht werden“, so der Inhaber. „Der Verband unterstützt seine Schreinerpartner u. a. dabei, die bestmöglichen Konditionen bei den Herstellern zu erhalten.“ Der Schreiner bestellt direkt beim Hersteller und erfährt zudem Unterstützung bei der finanziellen Abwicklung durch den Verband. Dieser ist dabei Ansprechpartner für alle Sparten.
Matratzen, Lattenroste und Bettsysteme sind ein wichtiger Eckpfeiler des Warenangebots beim Möbelhaus Klaus. Bei der Einrichtung von Ferienwohnungen ist der Schlafbereich essenziell. Dabei legt Klaus Wert darauf, seinen Kunden nicht nur Betten offerieren zu können. Aufgrund der teils räumlich begrenzten Möglichkeiten in den Appartements stellt er auch Schlafsofas zur Auswahl, z. B. von der Marke Reposa, die sowohl ein modernes als auch traditionelles Sortiment an Polstermöbeln mit Schlaffunktion bietet. Als Vollsortimenthaus bietet Möbel Klaus auch Zubehör wie Bettwäsche an: „Ich bin kein Bettenhaus, aber ich habe eine kleine Auswahl für meine Kunden.“
Digitales Schaufenster
Nicht nur vor Ort in der Ausstellung können Kunden sich die Möbel anschauen und erwerben, sondern darüber hinaus seit Oktober 2016 auch über einen Onlineshop. Die Internetplattform „Kauf im Allgäu“ − initiiert von der Allgäuer Zeitung − bündelt branchenübergreifend regionale Anbieter. Wolfgang Klaus nutzt das Portal, um Möbel aus der Ausstellung einem erweiterten Kreis bekannt zu machen. Der Onlineshop dient Nutzern auch als digitales Schaufenster für die Recherche − unter dem Motto „Online suchen − lokal shoppen“. Über den Shop verkaufte Möbel liefert Möbel Klaus im Umkreis von 30 km aus.
Stabile Säulen
Möbel Klaus besetzt in der Region eine Lücke zwischen Angeboten von großen Möbelhäusern mit über 10 000 m² Ausstellungsfläche und dem kleinen Möbelhandel. „Ich glaube, dass wir in der Kombination von Möbelhaus mit Schreinerei die optimalen Voraussetzungen auf dem lokalen Markt haben“, so Wolfgang Klaus. Er führt weiter aus: „Wir haben zwar nicht die Auswahl eines Großflächlers, aber dafür die Fachkompetenz und den Service. Die Kunden schätzen dabei vor allem die Beratung.“ Damit benennt er die Säulen seines Erfolgsrezepts. Zur hohen Beratungs- und Servicekompetenz kommen Zuverlässigkeit, langjährige Ansprechpartner und der hohe Qualitätsanspruch der Schreiner. „Wir versuchen, alles möglich zu machen, was von den Kunden gewünscht ist“, sagt Wolfgang Klaus. „Der Kunde soll sich gut aufgehoben fühlen.“
Das soll fortgesetzt werden: Die nächste Generation will Möbel Klaus als Familienbetrieb weiterführen. Ideen für weitere Modifizierungen gibt es zahlreiche. So könnte zukünftig die hausinterne Planungskompetenz verstärkt werden − als eine weitere, das Geschäft erfolgreich stützende Säule.