Tischlerei Lanser

Handwerk in Szene setzen

Inmitten der Osttiroler Berge liegt die Tischlerei Lanser. Nicht einmal einen Skilift gibt es da oben. Trotzdem schaffen die Brüder Lanser den Spagat zwischen Tradition und Innovation. Sie haben zwei Ausstellungen und wählen Handelspartner sorgfältig aus.

von Christine Speckner

Der erste Eindruck: Hier war ein Gestalter am Werk. Das Ausstellungsgebäude fällt auf, es ragt wie ein Monolith ins Tal hinein, direkt an der Grenze zwischen Österreich und Italien. Die raumhohe Verglasung und teils schräge Form geben dem Ganzen ein futuristisches Aussehen. Tatsächlich dachte Schreinermeister Heinrich Lanser auch an die Zukunft, als er diesen Showroom von einem Architekten in Arnbach, einem Ortsteil von Sillian, planen ließ. 2006 war die Eröffnung. Der Möbelhandel hat bei den Osttirolern Tradition. „Unser Vater hatte schon in den 1990er-Jahren Kontakte zu Handelspartnern, damals im Segment Küchen“, erinnert sich sein Sohn Roland Lanser, der heute das Unternehmen mit seinem Bruder Arnold führt.

Mit Handel mehr Kunden

Die Wurzeln des Familienbetriebs liegen in Innervillgraten auf 1402 m Höhe. In einem Hochtal, umgeben von 50 imposanten Gipfeln. Ein Eldorado für Bergsteiger, viel Natur und Ruhe gibt es dort. Und ein Firmengelände mit 6000 m² Produktions- und Lagerfläche, das Familie Lanser über fünf Generationen aufgebaut hat. Mit eigenem Planungsbüro. Doch früh war auch klar: Der 1877 gegründete Betrieb muss sich vom idyllischen Tiroler Bergdorf zum Kunden bewegen, um zukunftsfähig zu sein. Deshalb ist der Showroom in Arnbach, 300 Meter talwärts, an der belebten Straße zwischen Süd- und Osttirol, ein wichtiges Standbein. Und er ist nicht klein. Auf 600 m² werden Wohnzimmer, Küchen, Schlafzimmer, Bad und Tiroler Stuben gezeigt. Hochwertige Möbelmarken ergänzen das Angebot. Mit der Restaurierung und dem Neubau von originalgetreuen Tiroler Stuben hat sich der Betrieb weit über die Region hinaus einen Namen gemacht. „Wir wollen aber auch zeigen, dass wir eine zeitgemäße Tischlerei sind“, betont Arnold Lanser. Deshalb gehört Handelsware selbstverständlich zum Angebot.

Einrichtungsexperte in der Familie

Als Führungsteam ergänzen sich die Brüder ideal. Roland Lanser (38) ist Tischlermeister und Geschäftsführer. Arnold Lanser ist Prokurist und gelernter Bildhauer. An der EBS Kuchl bei Salzburg absolvierte er eine einjährige Ausbildung zum diplomierten Einrichtungsberater und knüpfte dort Kontakte zu Handelspartnern. Verkauf, Marketing und zeitloses Design – diese Themen begeistern den 35-Jährigen. Da wundert es nicht, wenn der Kunde vor einem sehr eindrucksvollen Bemusterungsschrank in der Ausstellung stehen bleibt. Allein die Maße und die Materialität des von der Tischlerei gefertigten Möbels sind ein Hingucker. Die Fronten in Eiche, von Hand gehackt, das zeitlose Wanddekor in Metalloptik. Eine gelungene Kombination von eigenem Produkt und Handelsware. Eine sortierte Auswahl an Mustern und Dekoren, das muss auch sein. Denn meist kommen Kunden in den Showroom, mit dem Anspruch gleich ein komplettes Haus einzurichten. Diese aufwendigen „Gesamtprojekte“ plant und realisiert die Tischlerei für Kunden in Österreich, Italien, Deutschland und der Schweiz. Es sind vorrangig Privathäuser oder auch mal die komplette Ausstattung eines luxuriösen Chalets in Kitzbühel. Bau-herren werden nicht immer genannt. „Da sind wir zu Stillschweigen verpflichtet“, so Roland Lanser. Eine fun-dierte Beratung und die vom Fachmann getroffene Vorauswahl der Materialien erleichtert oft die Kaufentscheidung. Wobei es nicht darum geht, nur das Produkt Holz zu verkaufen. „Ein hochwertiges Dekor ist oft sinnvoller als Holz“, meint Arnold Lanser. Nur trendig darf es nicht sein. „Wir bauen keine runden Möbel, nur weil sie in Mode sind.“

Materialien für jeden Geschmack

Schon bald merkten Lansers, dass eine Ausstellung nicht reicht. Denn obwohl es im 31 Kilometer entfernten Lienz, einer Stadt mit fast 12 000 Einwohnern, der wirtschaftliche Mittelpunkt Osttirols, eigentlich genug Kaufkraft gibt, war die Nachfrage von dort gering. Das Problem: „Mit dem Showroom Arnbach decken wir hauptsächlich den Südtiroler Markt ab. Um unser Kundensegment zu erweitern, wurde der Showroom Lienz eröffnet. Von dort aus arbeiten wir hauptsächlich im Raum Lienz und Kärnten. Den Kunden aus dieser Region war es bis dato unbekannt, dass wir das klassische Tischlerhandwerk mit hochwertigen Möbelmarken ergänzen“, erklärt Roland Lanser. Also wollte man Osttirol und Oberkärnten mit einem eigenen Showroom mit Sitz in Lienz erreichen. 2016 wurde deshalb in einem der ältesten Stadthäuser ein zweiter Showroom eröffnet. Präsentiert werden dort zeitgemäße Wohnkonzepte in Verbindung mir traditionellem Handwerk. Die Konzepte sind dabei identisch. „Während die Kunden in Lienz und Oberkärnten eher den modernen Wohnstil bevorzugen, suchen die Kunden aus Südtirol mehr den alpinen Wohnstil.“

Möbel-Klassiker statt Möbel-Trends

Bei der Wahl von Handelsware legen Lansers viel Wert auf die Langlebigkeit der Marken. Ein weiterer Grundsatz: „Wir arbeiten nur mit Handelspartnern zusammen, deren Produktion wir vor Ort gesehen haben“, so Roland Lanser. Seit einem Jahr werden handgefertigte Betten aus Naturmaterialien von Hästens präsentiert. Eine Reise nach Schweden war ihnen das wert. „Das haben wir mit einer Schulung im Flagshipstore des Bettenherstellers verbunden“, erzählen die Brüder. Der Kontakt kam auf einer Messe in München zustande. Die Qualität und das Store-Konzept des Herstellers haben überzeugt. „Und wir hatten Glück: Hästens wollte in der Region Osttirol einen Store einrichten“, so Arnold Lanser. Als Partner profitiere man von einem professionellen Einzelhandelskonzept, das die Handschrift der Marke trägt. Außerdem gibt es Unterstützung bei Vertrieb und Marketing. Auch Tische und Stühle von Thonet werden ausgestellt. „Der familiengeführte Möbelhersteller produziert höchste Qualität, hat aber auch den Mut Neues zu wagen, ohne die Wurzeln der Familientradition zu vergessen“, so Arnold Lanser. Da sehen die beiden Parallelen zum eigenen Betrieb, der bewusst keinem Trend folgt, um die eigene Identität zu bewahren.

Weniger, aber gut präsentieren

In diesem Jahr wurde der Showroom in Arnbach umgebaut. Es war Zeit, das Sortiment zu reduzieren. Übrigens zum zweiten Mal, während die Fläche bleibt. Ein mutiger Schritt. „Weniger ist mehr“, sagt Arnold Lanser. Wir zeigen etwa nur noch zwei Küchen, vorher waren es vier. Jetzt steht weniger hier, dafür wird alles schöner präsentiert.“ Bisher hatten sie selbst geplant, wie die Möbel gestellt werden. Nun wurde eine Werbeagentur beauftragt, ein neues Konzept zu entwickeln. „Wir sind da auch ein bisschen betriebsblind geworden“, begründet der Geschäftsführer. Das Ergebnis wird von Kunden gut angenommen. Und Lansers selbst finden es auch aufregend. Es fühle sich stimmig an, das neue Innenleben. Dabei steht die Idee im Vordergrund, die „Familien-und Firmengeschichte“ mehr hervorzuheben. Das Persönliche soll eben auch verkauft werden. Im Eingangsbereich eine gelbe Infotafel mit Firmennews, daneben eine alte Hobelbank. „Unser Handwerk wollen wir zeigen.“ Vorbei an sägerauen Holzbohlen und Bildschirmpräsentation mit der heutigen modernen Produktion, gelangt der Kunde zur Rezeption. Ein paar Schritte weiter zu eigen restaurierten und gebauten Schränken, bevor er das erste Sofa entdeckt. Finden Kunden das interessant? Arnold Lanser nickt. Oft kommt man über die restaurierten Möbel schnell ins Gespräch. Handelsware tritt deshalb nicht in den Hintergrund. Sie kommt so sogar noch besser zur Geltung, weil der Fußboden aus Holz größtenteils durch einen Mineralboden in Betonoptik ersetzt wurde. Als Einrichtungsexperte weiß Arnold Lanser: Licht- und Rauminstallationen bestimmen die Wahrnehmung von Objekten und deren Wirkung auf den Betrachter. Der Showroom ist deshalb so konzipiert, dass Licht und Farben die Besucheraugen lenken. Eine ausgeklügelte Lichtplanung setzt auch „die hochwertigen Möbelmarken“ ins richtige Licht. Highlights werden in einem fast raumhohen, gelben Kubus präsentiert. Zurzeit ist das eine St-One-Natursteinkücheninsel des Handelspartners Strasser. Und ein Hästens-Bett. Insgesamt wirkt der Showroom großzügig, nichts ist zugestellt. Da stechen die Haka-Küche und der eigengefertigte Besprechungstisch aus Eiche mit säge-rauer Oberfläche ins Auge. Frei steht er im Raum. Hier finden regelmäßig Koch-Events mit den Handelspartnern Bora und Miele statt. Auf einer weiteren Etage eine eingerichtete Wohnsituation: Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, Bad. Mit einem herrlichen Ausblick auf die Berge Osttirols. Schon heute lässt sich sagen: Das Aussortieren hat der Ausstellung gutgetan. „Wir haben eine Vorauswahl getroffen und konzentrieren uns jetzt auf das Wesentliche. Das schätzen unsere Kunden“, sagt Arnold Lanser.


Tischlerei Lanser

Portfolio | Wohnkonzepte in zeitgemäßer Ausführung. In jede Planung wird das traditionelle Tischlerhandwerk mit eingebunden. Durch die Verbindung mit hochwertigen Marken wie Hästens oder Poliform entstehen Konzepte die keinem Trend folgen, sondern langfristig Bestand haben.

Handelsware | Küchen, Betten, Sofas, Schränke mit Glas und Metallfronten, Leuchten, Teppiche, Dielenböden

Mitarbeiter | 24 Tischler, 2 technische Zeichner, 6 Verkäufer

Ausstellungsgröße | Showroom Sillian/Arnbach 600 m²; Showroom Lienz 250 m²

Jahresumsatz | 3 000 000 Euro

Anteil Schreinerei | 70 Prozent

Anteil Handelsware | 30 Prozent

Handelspartner | Hästens, Poliform, Thonet, ST-ONE Natursteinkücheninsel, Mobitec, Haka, Miele, Bora, Bosch, Strasser Steine, Joka, Landegger

www.tischlerei-lanser.at


Arnold Lanser

Wir sind authentisch, wir verkaufen in erster Linie uns selbst.“


Roland Lanser

Dank der Ausstellungen haben wir Produktion und Lager-fläche zweimal vergrößert.“