Schreinerei König

Das Beste kommt zum Schluss

Der Name ist Programm: Die Schreinerei König Holzhandwerk und Raumkonzept realisiert originelle Kundenwünsche. Vorteilhaft sind dabei ein Showroom mitten in Ravensburg und viele Kontakte. Die knüpft Firmeninhaber Raphael König oft am sehr späten Abend.

von Christine Speckner

Raphael König strahlt. Wenn man ihn fragt, wie sich alles entwickelt hat: der Betrieb, der Laden und die vielen Pläne, die in seinem Kopf herumschwirren – dann bekommt er gute Laune. Entspannt sitzt der 30-jährige Schreinermeister in seiner Ausstellung.

50 Quadratmeter Fläche, im Zentrum von Ravensburg und erzählt, wie alles viel kleiner angefangen hat. „Wir hatten überhaupt keine Erfahrung“, sagt er. Das war vor sechs Jahren. In Mengen, dem früheren Standort der Schreinerei, 50 km von Ravensburg entfernt, hatten die Eltern, Mutter Schreinergesellin, Vater Schreinermeister, mit ihm gemeinsam ein leerstehendes Schaufenster ausgeguckt. Eigentlich haben sie da schon alles richtig gemacht. Sie stellten nicht nur einen Tisch hinein. Sondern schmückten ihn mit diversen Artikeln: Kerzen, Servietten, Teller, Tassen, Gläser und Vasen. Freilich mit viel Aufwand. „Die Deko haben wir einzeln eingekauft oder geliehen. Manchmal haben wir auch einfach unsere eigenen Teller hingestellt“, erinnert sich Raphael König. Mit der Resonanz hatten sie überhaupt nicht gerechnet. „Wir bekamen so viele Anrufe“, sagt König. Was für ein cooler Tisch, ist der von Euch? meinten die einen. Die anderen fragten: Kann man diese Schale bei Euch kaufen? Und wieder andere Kunden wollten die Servietten haben. Da wurde ihnen schnell klar: Wenn wir die Artikel zum Dekorieren eh brauchen, können wir sie auch gleich mitverkaufen. Das war der unbedarfte Einstieg in den Handel, heute gehört die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Handelspartnern selbstverständlich zum Tagesgeschäft.

Feuertisch und Kuschelfell steigern den Umsatz

Vor vier Jahren ist die Ausstellung mit Planungsbüro ins Zentrum von Ravensburg gezogen. Top Lage. Wobei viel Glück im Spiel war. „Zuerst bekamen wir eine Absage. Doch der Vorbewerber hat die Kaution nicht bezahlt. Der Vermieter erinnerte sich an uns und fragte, ob wir noch Interesse hätten“, erzählt König. Aber ja. Innerhalb von nur drei Wochen stand das Ladenkonzept, das Kassensystem und eifrig wurden zur eigenen Fertigung Kleinmöbel und Wohnaccessoires dazu gekauft. Denn rechtzeitig zum verkaufsoffenen Sonntag und der Oberschwaben-schau, einer Verbrauchermesse mit rund 93.000 Besuchern, sollte der Showroom fertig sein. Der Vater von Raphael ist heute Werkstattmeister, die Mutter verantwortlich für Büro, Einkauf von Handelsware und Dekoration. Aus eigener Produktion werden zum Beispiel gezeigt: ein Esstisch, Regalkuben, aus Massivholz gezinkte Sitzhocker, eine Eichentheke mit Hochglanzoberfläche in Senosan, eine Schrankwand. Ergänzt wird das Angebot mit zugekaufter Ware. Etwa Stuhlmodelle des Herstellers Ton, der mit Designern zusammenarbeitet. „Die Firma produziert hochwertig und vielfältig“, so König. Ein Blickfang ist der Feuertisch von Mania. Dazwischen Accessoires, auch Kuschelfelle und gehäkelte Leuchtenschirme, Barhocker und Kissen von Monka, dem Label einer Modedesignerin, die in Handarbeit produziert. Die Ausstellung setzt bewusst keine Schwerpunkte. Die Vielfalt wirkt auf Kunden einladend freundlich. „Damit senken wir die Hemmschwelle, den Laden zu betreten“, führt König aus. Das Angebot wird gut angenommen, sodass der Firmensitz vor zwei Jahren von Mengen nach Bad Saulgau verlegt wurde. Damit vergrößerte sich die Produktionsfläche von 180 auf 1.000 Quadratmeter.

Eine Küche als Schiff oder Goldnugget

Der Kunde kann aus einem breiten Portfolio wählen. „Wir machen keinen Standard, sondern Möbel und Einrichtungen nach Maß“, betont König. In Zusammenarbeit mit Bauherren und Architekten bietet die Schreinerei auch das passende Raumkonzept. Der ursprünglich als klassische Schreinerei gestartete Betrieb in heute vierter Generation hat sich auf den Privat- und Objektbereich spezialisiert. Individuell hergestellte Küchen mit dem Partner Gaggenau gehören zum Angebot. Der erste Beratungstermin findet meistens beim Kunden statt. „Denn da kommen wir auch auf ausgefallene Ideen“, sagt König. Kunden gefalle das. Beim Brainstorming komme eine Stimmung auf, in der schnell Vertrauen gefasst wird. Der Kunde spüre die Stärke des Betriebs, nämlich Offenheit für außergewöhnliche Projekte. Eine Küche, die aussieht wie eine Höhle? Warum nicht? Auf speziellen Kundenwunsch fertigte die Schreinerei den Küchenkorpus in der Optik eines „Goldnugget“ und ließ ihn mit Blattgold verspachteln. Da wird auf Wunsch auch mal der Schrank mit Leguanleder ausgelegt. Oder die Küche als „Traumschiff“ konzipiert. Für einen Segelfan entwickelte König ein einmaliges Design: Die Küchendecke wurde mit einer Wellenstruktur versehen, in Anmutung an Meereswellen. Der Küchenblock wurde abgeschrägt, er stellt den Rumpf des Bootes dar. In den Küchenblock wurde ein Schwedenofen integriert, das Ofenrohr symbolisiert den Bootsmast.

Nach dem kostenlosen Ersttermin wird in der Regel ein Planungsvertrag mit dem Kunden geschlossen und das Angebot erstellt. Die Erfolgsquote sei hoch, 98 Prozent der Kunden entscheiden sich dafür. Das Angebot umfasst eine 3D-Visualisierung, Konstruktionszeichnungen und Handmuster im A4-Format. Kommt es nicht zum Auftrag, wird das Angebot in Rechnung gestellt. Fünf Prozent der Angebotssumme sind dann fällig. Bei Auftragserteilung wird das Angebot natürlich verrechnet. Raphael König ist jetzt nicht der Schreiner, der sich viele Pausen gönnt. Hat die Produktion mal ein bis zwei Tage Luft, nutzt er ein weiteres Standbein: Dann fertigt der Betrieb Serienmöbel, die der findige Chef selbst entwirft. Der Vorteil: „Diese Möbel können wir günstiger produzieren.“ Voraussichtlich ab Mai 2018 wird seine erste Outdoor-Küche im Handel erhältlich sein. Der Vertrieb soll ausschließlich online erfolgen. Die Küche, bestehend aus drei Modulen, soll mit einer separaten Homepage beworben werden.

Netzwerken bis spät in die Nacht

Wenn Raphael König durch die Stadt geht, hebt er oft die Hand zum Gruß. Man kennt sich, viele Bekannte empfehlen seine Firma weiter. Empfehlungsmarketing, sagt er, müsse man pflegen. Daher besuche er regelmäßig kulturelle und wirtschaftspolitische Veranstaltungen in Ravensburg und der Region. Die besten Geschäfte kommen oft ganz zum Schluss. Man müsse bereit sein, Zeit zu investieren. Je später der Abend, desto besser die Gespräche. „Ich bin oft der Letzte, der geht“, sagt König schmunzelnd. Nach einer Veranstaltung lernte er zum Beispiel den Redakteur eines lokalen Fernsehsenders kennen. Der interessierte sich für seine Arbeit. Kurz darauf begleitete ein Filmteam die Schreinerei beim Küchenumbau und produzierte einen achtminütigen TV-Beitrag mit Interview. Titel: „Einzigartiges Design – Traumküche nach Maß“. Fürs Marketing nutzt die Schreinerei selbstverständlich auch soziale Netzwerke, besonders Instagram und Pinterest. Da sind vor allem jüngere Kunden unterwegs. „Ich poste zum Beispiel spontan ein Foto von unseren Mitarbeitern, wie sie auf einer großen Arbeitsbank sitzen, die sie gerade produziert haben“, erzählt er. So wird das Internet zur Kundenpflege genutzt. Das Feedback ist gut. Häufig schicken Kunden wiederum begeistert einen Schnappschuss von der Inneneinrichtung, die sie bei ihm gekauft haben.

Ein zweiter Showroom als Kochwerkstatt

Im März 2018 eröffnet König den zweiten Showroom. Eine Kochwerkstatt. „Wir haben das Glück, dass direkt neben unserer Ausstellung Ladenfläche frei wird. Den Raum mieten wir dazu.“ Das Konzept steht schon: Die Farbe Schwarz gibt den Ton an. 60 m², Betonboden, schwarze Decke und Wände, ein Hackblock mit Axt, die Schreinerei fertigt die Küche. Zur Innenausstattung gehören ein Dry Ager Fleischreifeschrank, Bierzapfanlage, Cocktailstation und Eiswürfelmaschine. Von Firmen hat er Zusagen, dass sie den Raum für besondere Anlässe buchen – auf Wunsch mit Catering. Geplant sind Weinverkostungen mit einem Sommelier. Ein Barista wird Kaffeespezialitäten zubereiten. Das Team einer Arztpraxis wird hier gemeinsam kochen. Weitere Firmen wollen in diesem Ambiente ausgewählte Kunden zum Essen einladen. „Das sind zwar Werbeveranstaltungen anderer Unternehmen, aber letztlich halten sich die Leute mehrere Stunden in meiner besonderen Küche auf“, sagt König. „Damit kriegen wir potenzielle Kunden herein, die sonst nie zu uns kommen würden.“ Und König denkt schon weiter. In naher Zukunft will der Schwabe einen dritten Showroom eröffnen. Dort sollen abwechselnd Profi-Köche ein Essen für 30 Personen kreieren. „Wir können dann auch mal mit unseren Kunden essen gehen“, sagt er. Denn darum geht es ja: dem Kunden ein Erlebnis bieten. Wer alles am Tisch Platz nehmen wird? Bleibt spannend. König verspricht sich davon auf jeden Fall ein Event mit sehr privatem Charakter. „Das ist fast so wie zu Hause bei Mama.“


Schreinerei König

Portfolio | Individuelle Inneneinrichtungen für Privatkunden, Gastronomie, Einzelhandel, Praxen und Büroausstatter. Einzelmöbel (Tische, Betten, Schreibtische, …); Produktion von selbst entworfenen Serienmöbeln

Handelsware | Keramik und Steinarbeitsplatten, Elektrogeräte, maßgefertigte Metallprodukte, Stühle, Lampen, Dekoartikel

Mitarbeiter | 4 Schreinermeister, 3 Auszubildende, 1 Bürokauffrau/ Verkauf-Einkauf Handelsware

Ausstellungsgröße | Bisher 50 m², ab März 2018 dazu ein zweiter Showroom mit 60 m²

Jahresumsatz | 700.000 Euro

Anteil Schreinerei | 80 Prozent

Anteil Handelsware | 20 Prozent

Handelspartner | Rosskopf+Partner, Gaggenau, Metallbildnerei Schmeh, Ton, Philippi, Serax, Proflax, u.a.

www.holzhandwerk-koenig.de


Raphael König

„Durch die Ausstellung sparen wir uns die Kundenakquise. Der Laden wird gut angenommen, so dass wir unsere Produktionsfläche vergrößert haben.“


„Manchmal kommen Kunden wegen einer kleinen Vase in den Laden – und gehen mit dem Konzept für eine Inneneinrichtung wieder raus.“