Holzmanufaktur

Neue Wege und alt Bewährtes kombiniert

Die Holzmanufaktur aus Stuttgart zeigt: Weitblick, Experimentierfreude und Nachhaltigkeit lohnen sich. Mit der Herstellung von Massivholzmöbeln begann das Schreinerkollektiv 1979 − heute sind die Kollektionen der Holzmanufaktur bundesweit bei Händlern zu haben, aber auch im eigenen Laden zu sehen. Dort wird den Kunden zudem ausgewählte Handelsware angeboten.

von Julia Blöser

Den Anfang bildete die Überzeugung zum Schreinerhandwerk, zu Qualität und Naturholz – und dass eine gleichberechtigte Konstellation als Schreinerkollektiv funktioniert. Diese Auffassung hat sich bewährt. 37 Jahre später ist die Holzmanufaktur eine GmbH mit fünf Gesellschaftern, bestehend aus Volker Braun, Uwe Pechel, Stefan Richter, Frank Wels und Albrecht Zipfel. Insgesamt 30 Mitarbeiter sind bei der Holzmanufaktur tätig, wobei drei der Gesellschafter zugleich die Geschäftsführer sind. 18 Schreiner arbeiten in der Werkstatt, sieben Mitarbeiter in der Verwaltung und Arbeitsvorbereitung, fünf im zentral in Stuttgart gelegenen Ladengeschäft.
Die Holzmanufaktur produziert seit ihrer Gründung in der Werkstatt in Stuttgart-Zuffenhausen eigene Massivholzmöbel, die mittlerweile deutschlandweit, in Österreich, Frankreich und der Schweiz gehandelt werden, und betreibt zugleich ein eigenes Ladengeschäft, in dem die eigene in Kleinserie gefertigte Kollektion sowie Handelsware verkauft werden. Das Ladengeschäft und der Vertrieb an Händler sind daher in zwei Verantwortungsbereiche geteilt.
Zum Gründungszeitpunkt lag der Fokus auf der Herstellung von natürlichen Massivholzmöbeln. „Das war damals tatsächlich die Lücke“, so Braun, der fast von Anfang an dabei ist. Die Technik der Oberflächenbehandlung mit Holz und Wachs wurde im Laufe der Jahre perfektioniert. „Mit den Experimenten, die wir gemacht haben, standen wir damals ziemlich alleine auf weiter Flur“, stellt Braun fest. Mit einer Kollektion von vier Betten startete die Holzmanufaktur − und setzte damit um, was Manufaktur meint: die Produktion von kleinen Serien.
Zeigen und Beraten
Die steigende Nachfrage nach Massivholzbetten und die begrenzte Präsentationsfläche in der Werkstatt führten schnell zu der Idee eines Ladengeschäfts: Ein erster Ausstellungsraum in der Stuttgarter Olgastraße war das Resultat. „Und dann fanden wir es naheliegend: Wenn wir Betten ausstellen, ist es sinnvoll, auch Matratzen aus Naturmaterialien in die Betten zu legen. Und schon waren wir ein kleiner Laden mit Betten und Matratzen“, blickt Volker Braun zurück. Es folgten Entwürfe und die Umsetzung von Küchen sowie die Anmietung eines zweiten Ladengeschäfts für das Küchenstudio direkt nebenan. Er führt weiter aus: „Der Laden war auch das Beratungsbüro. Wir hatten die Möglichkeit, unsere Kollektion zu zeigen und man kommt mit den Kunden ins Gespräch.“ Schon früh erkannten die findigen Schreiner die Wichtigkeit eines guten Verkaufsgespräches. Sie legen viel Wert auf einen vertrauensvollen Kontakt zwischen Kunden und Berater.
Mittlerweile stellt die Holzmanufaktur seit 16 Jahren in der Kronenstraße auf rund 450 m² Ausstellungsfläche auf zwei Etagen ihre Möbel sowie nach bestimmten Kriterien ausgesuchte Handelsware aus. „Mit dem Laden zeigen wir das gesamte Sortiment. Die ausgewählte Handelsware ist ein Zusatzangebot für unsere Kunden und ergänzt unsere eigenen Kollektionen“, sagt Braun.
Der Einzugsbereich der Kunden reicht über Stuttgart hinaus − bis in die Regionen Esslingen, Tübingen, Waiblingen. Kunden kommen vor allem auf Weiterempfehlung zufriedener Käufer. Um auf die neuesten Entwicklungen im Ladengeschäft aufmerksam zu machen, wird lokale Anzeigenwerbung betrieben − wie beispielsweise eine Kampagne in regio-nalen Gemeindeblättern.
Erweitertes Angebot
Eine der neuen Entwicklungen im Laden ist beispielsweise die Eröffnung vom Hüsler Nest Store im April 2016. Die Zusammenarbeit mit Hüsler Nest währt seit über 30 Jahren. Der Hersteller von Bettsystemen hält viel von der fachlichen Beratungskompetenz von Schreinern und Tischlern. Die Holzmanufaktur wiederum bietet ihren Kunden nur Handelsware an, die sie guten Gewissens empfehlen kann. Die Auswahl der Ware erfolgt vor allem nach Qualität. Eine weitere Rolle spielen die verwendeten Materialien und die Firmenphilosophie des Herstellers sowie Schadstofffreiheit und Herstellungsbedingungen. Braun sieht das Angebot von Handelsware „im Spannungsfeld zwischen Kundennutzen und dem, was die Holzmanufaktur vertreten kann“. Nicht nur zum Thema Schlafen bieten Volker Braun und seine Kollegen Ergänzendes an, sondern auch im Küchen- und Wohnbe-reich. „Handelsware ist etwas Zusätz-liches: Wir brauchen die Matratzen zu einem Bett, wir brauchen die Küchengeräte zu einer Küche, wir brauchen Stühle zu unseren Tischen. Wir sehen die Ergänzung als logischen Weg, den wir gegangen sind.“ Auch setzt die Holzmanufaktur auf Handelsware, um dem Kunden mehr bieten zu können und ihn mit faszinierenden Ideen von kooperierenden Handelspartnern bekannt zu machen.
Kooperationen für mehr Frequenz
Zusammenarbeit prägt die Holzmanu-faktur auch in anderer Hinsicht. Dazu Volker Braun: „Wir fragen uns wie jeder Händler: Wie schaffe ich Frequenz in meinem Laden? Wie bewegen wir die Leute dazu, mit einem bestimmten Einrichtungswunsch zu uns zu kommen?“ Auch am Wochenende ist das Ladengeschäft geöffnet und die Möbel können nicht nur durch die Schaufensterscheibe betrachtet werden. Braun stellt fest: „Die schwierigste Aufgabe ist, die Menschen, die zu uns passen und für die unsere Möbel in Betracht kommen, auf uns aufmerksam zu machen.“ Die Stuttgarter Kochmeile ist solch ein Instrument, um die Aufmerksamkeit potenzieller und anspruchsvoller Kunden zu gewinnen − gemeinschaftlich initiiert mit Bulthaupt und Poggenpohl, die direkt nebenan ihre Küchenstudios betreiben. Auch stellt die Holzmanufaktur ihre Räumlichkeiten für Veranstaltungen wie Kochabende oder Weinverkostungen zur Verfügung. Abwechselnd in Ladengeschäft und Werkstatt findet das Event von „Geile Weine“ statt. Die Teilnehmer kommen nicht selten als Kunden wieder. Kooperiert wird auch mit Künstlern: Braun freut sich, dass farbenfrohe Bilder der Ausstellung guttun und einer stimmungsvollen Atmosphäre zuträglich sind.
Vertrieb durch Möbelfachhandel
Nicht nur im eigenen Ladengeschäft verkauft die Holzmanufaktur, sondern sie beliefert mit der eigenen Kollektion von Massivholzbetten, Tischen, Sideboards und Regalen mit charakteristischer geölter Oberfläche auch ausgewählte Möbelfachhändler. Das ist das Resultat aus der vormaligen Mitgliedschaft beim „Arbeitskreis gesund Wohnen und Schlafen e.V.“, deren Mitgründer die Holzmanu-faktur 1987 war. Heutzutage ist die Schreinerei kein Mitglied mehr im Arbeitskreis, aber die Händlerkontakte bestehen weiter − verbunden durch die Überzeugung für ein gesundes Wohnumfeld, schadstofffreie Naturmaterialien und gute Gestaltung.
„Zuerst war ‚Bio‘ das Hauptkaufargument für die Käufer – das hat sich gewandelt“, so Braun. Ganz klar liegt der Fokus noch immer auf Massivholzmöbeln – aber in einer ausgewogenen Balance zwischen Material, Langlebigkeit und einer Form, die diese Langlebigkeit trägt. „Die Kunden reagieren auf gutes Design und sind froh, wenn sie etwas gut Gestaltetes aus massivem Holz mit geölter Oberfläche bekommen.“ Der Designaspekt habe immer mehr an Bedeutung gewonnen und fast jedes Produkt unterliege einem Lebenszyklus. Von daher hat man sich früh in die Richtung gute Gestaltung orientiert. Zunächst bestanden die Kollektionen nur aus eigenen Entwürfen der Holzmanu-faktur. „Dann haben wir uns geöffnet, Entwürfe von außen umzusetzen“, erklärt Braun. 2004 rief der Betrieb erstmals den Designwettbewerb „Stuttgart formt“ aus. In Kooperation mit Designern und Architekten wie Bothega und Erhardt entwerfen die Schreiner ihre neuen Kollektionen, die handwerkliches Können und das Denken des Designers vereinen.
Manufaktur als Standpunkt
Nach wie vor sind Volker Braun und seine Kollegen und Mitarbeiter der Holzmanu-faktur von Naturmaterialien, sozialer Verantwortung und dem Credo „Qualität statt Menge“ überzeugt. „Wir bleiben Manufaktur“, so Braun. Zu Anfang dieses Jahres hat sich die Schreinerei der Deutschen Manufakturenstraße angeschlos-sen – zugleich eine bundesweite Erlebnisstraße und gewerksübergreifende Vereinigung von Manufakturen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine technisch wie ästhetisch hochwertige Qualitätsproduktion zu pflegen und lebendig zu halten.