Concept Store Hotel Ultra

Einfallsreich, verheißungsvoll, charmant

Mo Ghandehari ist Halbiraner, kommt aus Hamburg und hat in Berlin in der Torstraße einen Concept Store für Design-Möbel und Accessoires eröffnet: Hier, im Hotel Ultra, kann man zwar nicht übernachten, dafür aber stöbern und sich bei Kaffee und Kuchen inspirieren lassen.

von Claudia Simone Hoff

In Berlin-Mitte tobt das Leben, was für einen Concept Store sicherlich kein Nachteil ist. Zumal sich in der Torstraße in den letzten zwei Jahren immer mehr Design-Läden angesiedelt haben und viele Besucher anziehen. Durch einen Zufall hat Mo Ghandehari, Halbiraner mit Wohnsitz in Hamburg und Berlin, den Ladenraum gefunden. Das Haus befand sich Anfang dieses Jahres noch im Bau, sodass er bei Ausbau und Gestaltung der rund 100 m² großen Fläche mitentscheiden konnte. Die Idee: einen Laden zu konzipieren, der an ein Hotel erinnert. „Wir sind ein Hotel für Marken und Produkte aus dem Design-Segment“, erklärt der Inhaber des Stores. Das Konzept wurde konsequent bis in das letzte Detail umgesetzt. Auch Werbemittel, Verpackungen, Drucksachen und Website passen exakt zum Interieur. Die einheitliche Design-Sprache spiegelt das Geschäftskonzept wider, denn schließlich werden im Hotel Ultra gut gestaltete Produkte verkauft: Dazu gehören Möbel von Autoban und Kartell, Accessoires von Stelton, Seletti, Menu und Anne Black sowie Kunst- und Design-Bücher.
Ebenso außergewöhnlich wie die Zusammensetzung des Sortiments ist das Interior-Design. Bodentiefe Fensterfronten lenken viel Licht ins Innere. Die beim Innenausbau verwendeten Materialien sind haptisch angenehm und nehmen mit der Zeit Patina an. Der Fußboden besteht aus versiegeltem Estrich, für Regale, Tresen und Rollcontainer wurde helles Holz verwendet, das teilweise kombiniert wird mit Messing – der Rest des Raumes ist im Rohzustand gehalten, was ihn beinahe industriell anmuten lässt. Vor dem Schaufenster zur Torstraße ist ein Ensemble von Möbeln und Körben mit Accessoires dekoriert, ein Fahrradständer wartet auf radelnde Kunden. „Hotel Ultra“ steht auf einem großen Schild und nicht selten fragen Menschen nach einem Hotelzimmer, erzählt eine Mitarbeiterin des Shops lachend. Sie sitzt hinter einer Theke, die an einen Hoteltresen erinnert, ist dahinter doch ein Schlüsselboard angebracht.
Concept Store mit Café
Der Laden selbst ist durch einen in den Raum geschobenen Versorgungsblock zweigeteilt. Während der vordere Teil des Concept Stores den öffentlichen Bereich markiert, dient der hintere Teil als Café mit lauschiger Außenterrasse. Hier kann der Besucher auf Stühlen von Kartell und Autoban sitzen, in Büchern und Zeitschriften blättern und dabei einen Latte macchiato trinken. Oder sich einfach nur umschauen und inspirieren lassen. Denn alles was hier steht, kann man auch kaufen, einschließlich der Fotokunst von Karsten Wegener, die an den Wänden hängt. Mo Ghandehari ist sich bewusst, dass er in Konkurrenz steht mit großen Kaufhäusern und dem Onlinehandel, wie er bei einer Tasse Cappuccino erzählt. Für ihn ist es das Wohnerlebnis, die besondere Atmosphäre, die seinen Laden von anderen unterscheidet – und gerade das ist wichtig in einer Stadt wie Berlin, wo sich ein ungewöhnlicher Shop an den anderen reiht. Im Hotel Ultra kann man die Objekte ausprobieren. Ist der Stuhl aus Kunststoff von Kartell wirklich so bequem wie er aussieht? Bleibt der doppelwandige Becher von Menu auch kalt, wenn ein heißes Getränk eingefüllt ist? Wie fühlt sich das Holzgestell des Autoban-Stuhls an? Apropos Autoban: Mo Ghandehari wollte die Möbel und Leuchten des türkischen Design-Studios, die er bei einem Besuch in Istanbul entdeckte, unbedingt in seinem Laden verkaufen. Er liebt die orientalischen Details, aber auch die gute Verarbeitung und hochwertigen Materialien der Stücke. Nun verkauft er das Label exklusiv in Berlin. Der quirlige Hamburger kennt sich aus mit dem Möbelverkauf, vertreibt er doch im Iran die Marken Ligne Roset, Dedon und Kartell.
Und doch sei das Projekt Hotel Ultra wie ein Sprung ins kalte Wasser gewesen, sagt der Hamburger. Mehr Arbeit als vermutet stecke hinter solch einem Laden. Um möglichst viel zu lernen und Prozesse zu optimieren, steht Mo Ghandehari mit einer Kollegin selbst im Geschäft, berät Kunden, kommt ins Gespräch, verkauft und sieht, was gefragt ist und was weniger. Das Sortiment werde auf jeden Fall immer in Bewegung sein, verspricht er. Im Moment verkaufen sich vor allem Dinge für jeden Tag: Notizhefte, Becher und Teller, Isolierkannen und Uhren. Viele Berlin-Touristen schauen herein und wollen etwas mitnehmen für Familie und Freunde zu Hause. Und diese Dinge müssen leicht zu transportieren und dürfen nicht zu teuer sein. Mo Ghandehari ist es wichtig, dass jeder etwas findet in seinem Laden und so rangiert die Preisspanne von zehn Euro für ein Notizbuch bis hin zu 7000 Euro für ein Ledersofa. Verheißungsvoll ist aber nicht nur das breit gefächerte Angebot. Aufregend ist auch die Dekoration, die dazu verlockt, genauer hinzusehen. Von einem Tischler maßgefertigte Holzregale springen vor und zurück und bringen Bewegung in den Raum. Jede Box soll für ein Hotelzimmer stehen. Und die sehen im Hotel Ultra nicht alle gleich aus, sondern sind ganz unterschiedlich gestaltet. Mal steht in der Box ein aufgeklappter Koffer vom Flohmarkt im Shabby Chic, mal hängen an einem Birkenstamm Ringe und Ketten, mal ist eine goldüberzogene Porzellanpistole von Seletti effektvoll zwischen Hunderten von Zahnstochern arrangiert. Genauso einfallsreich wie diese kunstvollen Arrangements ist übrigens auch der Name des Concept Stores. Der Laden ist nach einem Album von Mo Ghandeharis Lieblingsband Depeche Mode benannt. „Das Projekt ist eine Leidenschaft von mir“, sagt der Wahl-Berliner. Das sieht man.