ABC der Store-Konzepte

Flagship-, Concept- oder Pop-up-Store? Wie unterscheiden sich die verschiedenen Formate? Welches Konzept macht wann Sinn und worauf ist bei der Umsetzung zu achten? „The Retail Academy“ beschäftigt sich genau mit diesen Fragen und bietet spezifische Touren durch zahlreiche Städte an. In Köln haben wir eine davon zu den Store-Konzepten begleitet – auf Entdeckungsreise durch einen Dschungel an Möglichkeiten.

von Elena Deeg

Treffpunkt ist die Friesenstraße in Köln. Bevor es quer durch die Stadt geht, erklärt Retailexpertin und Geschäftsführerin Silvia Talmon uns am Tablet die wichtigsten Merkmale der unterschiedlichen Store-Konzepte: Angefangen bei den Pop-up-Stores: provisorische Einzelhandelsgeschäfte, die zeitlich begrenzt sind. Die Öffnungsdauer kann stark variieren, manchmal nur für Stunden, oft aber über mehrere Wochen oder Monate geöffnet. Besonders ausgefallene Ideen und Verkaufsstandorte prägen das Konzept. Im Fokus stehen dabei oftmals Imagepflege und Produkteinführungen, etwa die Vorstellung eines neuen Sportschuhs. Auch der schnelle Abverkauf von Saisonware kann als Hintergrund dienen, etwa dann, wenn ein Modelabel seine Strandware in einem Holzcontainer direkt am Strand von Miami Beach inszeniert. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt und oft dienen die temporären Verkaufsräume mehr als Marketing-Instrument, als dass sie großen Profit versprechen. Weiter geht es mit dem Concept-Store: vor allem sein branchenübergreifendes Angebot beschreibt den Charakter. Dabei kann der Materialmix aus Schuhen, Mode, Möbeln, Büchern oder Lebensmitteln bestehen. Das Sortiment umfasst meist ein übergreifendes Thema und richtet sich an eine klar definierte Zielgruppe, wie Genussmenschen, Sportler oder Designaffine. Zum Konzept gesellt sich oft ein passendes kulinarisches Angebot in Form eines Cafés oder einer Snackbar, auch Blumenläden zählen gerne zu dieser Mischung aus Warenhaus und Boutique. Bleibt der Flagship-Store – hier ist die Marke klar im Fokus. Dieses Konzept stärkt das Image und dient als Vorzeigeobjekt, meist in größeren Städten und oft in besonderer Lage. Diese Art von Ladenkonzept ist fast immer äußerst kostspielig und so gut wie gar nicht rentabel. Doch lohnt sich ein solcher Auftritt meist an anderer Stelle, nämlich dann wenn die Marke jeder kennt und schätzt.

Auf Entdeckungstour quer durch Köln

Die Reise startet in der Spichernstraße, mitten im Herzen des Belgischen Viertels. Hier liegt der Concept-Store „Ohhh de Cologne“. Die beiden Gründerinnen Gloria und Silvia führen durch die Räumlichkeiten und erzählen von ihrer Ambition eines eigenen Ladens, der immer wieder durch seine außergewöhnlichen Waren verblüfft und in dem man sich gerne aufhält. Hier kann man stöbern, probieren und Produkte wie Marmelade in Tuben einkaufen, direkt vor Ort oder online, denn ein Web-Shop ergänzt das Angebot. Weiter geht es über die Ehrenstraße zum Wallrafplatz. In unmittelbarer Nähe zum Dom steht hier mitten im Zentrum der Marken-Erlebnis-Tempel von „Victorinox“. Auf knapp 200 qm wird dem Kunden neben der Bandbreite an Messern, Uhren, Reisegepäck und Düften auch ein besonderes Produkterlebnis geboten. Links vom Eingang steht eine vollausgestattete Werkbank, an der sich Taschenmesser zusammensetzen oder gravieren lassen. Das Obergeschoss gehört allein der Vielfalt an Taschen- und Küchenmessern, die sich – unter Aufsicht versteht sich – auch direkt testen lassen; Sammeleditionen werden museumsähnlich präsentiert und ab einem bestimmten Einkaufswert gehören Zusatzleistungen wie Hotellieferdienst oder kostenloser Versand zum Service. Auch bei „Bolia“ in der Brückenstraße lässt sich die Marke in der Filiale ganzheitlich erleben. Durch das Treppenhaus zieht sich eine lebendig-grüne Wand und das Duft- und Raumkonzept gehört neben dem Kaffee- und Getränkeangebot ebenfalls zum sogenannten Multi-Sensory-Marketing, das – wie der Name schon sagt – ganz gezielt auf unsere Sinne wirkt.

Die Rolle des Verkäufers ändert sich

Service orientiert sich immer mehr an der Hotellerie, so schwappt der Conciergeservice mehr und mehr auf den Einzelhandel über. Das Thema Beratung rückt weiter in den Fokus. Die grundsätzliche Frage bei allen Store- Konzepten ist die: Was kann ein Laden dem Kunden bieten, wozu das digitale Angebot nicht in der Lage ist? Denn genau da liegt der Ansatz für ein gutes Ladenkonzept. Digitale Möglichkeiten unterstützen beim Kauf und sollten weder in Konkurrenz zum Menschen stehen, noch unüberlegt zum Einsatz kommen. Gute Ergebnisse lassen sich meist dann erzielen, wenn beide Seiten sinnvoll miteinander verschmelzen. Die Digitalisierung kann dem Kunden helfen, sein Wunschprodukt zu finden oder den Kaufprozess zu vereinfachen.

Die Idee hinter der Retail Academy

Sie ist eine unabhängige Institution für den Handel von morgen. Dort teilen Menschen – die sich täglich den Herausforderungen des Handels stellen – ihr Wissen mit denen, die daraus lernen möchten. Der Erfahrungsaustausch geschieht im kleinsten Kreis, praxisorientierten Wissenstransfer oder in einer fundierten Weiterbildung. Darüber hinaus beraten und begleiten sie mit einem Team an Experten unter anderem Ladenbesitzer in ihren Prozessen zu allen Fragen im Bereich Retail. Neben dem persönlichen Beratungsangebot gehören die Retail Touren durch viele internationale Städte fest ins Repertoire.


The Retail Academy

Unabhängiges Bildungsinstitut mit einem fundierten Netzwerk direkt in den Handel. Zusammengesetzt aus einem Team an Experten wissen sie, welche Verkaufsthemen aktuell bewegen und stehen mit Rat und Tat zur Seite – bis hin zur Entwicklung eines eigenen Ladenkonzepts.

Das Angebot der Akademie setzt sich zusammen aus:

  • „Retail Touren“ (Kopenhagen, London, Berlin, Zürich, Amsterdam, Mailand, Paris … )
  • „Vor-Ort-Beratung“ (Persönliche Beratung direkt am Standort)
  • „Seminaren und Fachforen“ (etwa „Läden, die begeistern“)
  • „Retail Beratung“

Gemeinsam mit der Rheinischen Fachhochschule Köln wurde der Studiengang „Retail Management (B.A.)“ ins Leben gerufen. In sechs Semestern wird man zum Handelsexperten ausgebildet.

Weitere Informationen unter: www.rfh-koeln.de bzw. www.the-retail-academy.com